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Das Bahai-Weltzentrum – Mittelpunkt einer Religion in Haifa

03.09.2014 |  Von  |  Naher Osten
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Das Bahai-Weltzentrum – Mittelpunkt einer Religion in Haifa
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Wenn von Religionen in Israel die Rede ist, denkt man automatisch an Jerusalem und die heiligen Stätten des Judentums, des Christentums und des Islam, die in der biblischen Stadt wie an einem Schnittpunkt aufeinandertreffen. Alle drei Religionen haben die Geschichte der Stadt und des ganzen Landes geprägt – manchmal friedlich, oft leider in kriegerischer Auseinandersetzung. So ist es bis zum heutigen Tag.

Offenbarungslehre aus dem Iran

Aber in Israel hat noch eine vierte weltweit verbreitete Religionsgemeinschaft ihr Zentrum, die Bahai. Sie ist weniger bekannt und auch viel kleiner. Ihr Mittelpunkt ist der Bahai-Schrein in der nordisraelischen Hafenstadt Haifa. Etwa acht Millionen Menschen bekennen sich zu der Glaubenslehre. Die meisten Anhänger leben in Indien, dem Iran, Nord- und Südamerika sowie in Afrika. Auch in der Schweiz gibt es etwa 1000 Bahaimitglieder.

Die Ursprünge der Bahaireligion liegen im Iran des 19. Jahrhunderts. Es gibt zwei Stifterpersönlichkeiten, die die Lehren des Bahaitums prägten: den Bab und Baha’ullah. Letzterer wurde nach längerer Inhaftierung in Teheran ins Exil geschickt. Seine Exilstationen führten über Istanbul und Edirne nach Akko nahe Haifa, wo er 1892 starb. So kam es, dass die ursprünglich im Iran beheimatete Glaubenslehre den Weg ins heutige Israel fand. Das Bahaitum ist eine monotheistische Offenbarungslehre, die sich in der Kontinuität früherer Offenbarungen der grossen Weltreligionen sieht. Das Bahaitum versteht sich in diesem Sinne nicht als Konkurrenz zum Judentum, Christentum, Islam und anderen Religionen, sondern als eine weitere Folgeoffenbarung.

Das Bahai-Weltzentrum gehört zu den markantesten Orten Haifas. (Bild: Tamileej, Wikimedia, CC)

Das Bahai-Weltzentrum gehört zu den markantesten Orten Haifas. (Bild: Tamileej, Wikimedia, CC)




Der Schrein des Bab und die Bahai-Gärten



Das Bahai-Weltzentrum gehört zu den markantesten Orten Haifas. Einige Teile liegen auch im benachbarten Akko. Der Schrein des Bab gilt als das Wahrzeichen der Hafenstadt. Er liegt im Bereich des Berges Karmel, an dessen Hängen sich Haifa erstreckt. Der Karmel ist ein biblischer Ort. Schon der Prophet Jesaja bezeichnet ihn als Platz, an dem die Völker zusammenströmen.

Bahai-Garten in Haifa (Bild: Judyboaz, Wikimedia, CC)

Bahai-Garten in Haifa (Bild: Judyboaz, Wikimedia, CC)

Der Schrein selbst ist kein Tempel, wie oft irrtümlich unterstellt, sondern ein Mausoleum für den ersten Stifter Bab. Er hebt sich deutlich von den modernen Bauten Haifas ab. Der weisse Bau mit der rötlich schimmernden vergoldeten Kuppel liegt inmitten einer wundervollen Gartenanlage. Auf achtzehn Terrassen entfaltet sich der Garten, neun davon oberhalb des Schreins und neun unterhalb. Strenge Symmetrie bestimmt die einzigartige Ästhetik der Anlage, die auch symbolisch zu verstehen ist. Im Bereich der Gärten befinden sich weitere Bahai-Einrichtungen: das Lehrzentrum der Bahai – die oberste Lehrinstanz –, das Archiv und das Studienzentrum. Hier lehnte man sich in der Baugestaltung ganz an klassische griechische Vorbilder an, weisse Säulen dominieren.

Baha'Ullah-Schrein in Akko (Bild: Marco Abrar, Wikimedia, CC)

Baha’Ullah-Schrein in Akko (Bild: Marco Abrar, Wikimedia, CC)

Baha’Ullah-Schrein in Akko – wichtigster Ort



Im benachbarten Akko findet das Bahai-Weltzentrum seine Fortsetzung. Hier liegt der Schrein Baha’Ullahs, der noch höhere Verehrung geniesst als der Schrein des Bab, sich aber wesentlich bescheidener ausnimmt. Er ist mit dem Landhaus Bahji und der umgebenden, ebenfalls sehr schönen Gartenanlage verbunden. Das Ensemble bildet die wichtigste Pilgerstätte der Bahai überhaupt. Nicht nur Bahai kommen aus aller Welt nach Haifa und Akko. Auch nicht gläubige Reisende lassen sich von der Stimmung und der Schönheit des Weltzentrums berühren. Seit 2008 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Bahaitum ist eine weltoffene, menschenfreundliche und seinem Selbstverständnis entsprechend sehr tolerante Glaubenslehre. Das hat Bahai nicht vor Verfolgung bewahrt. Gerade in ihrem Ursprungsland Iran haben Angehörige der Glaubenslehre zu leiden.

 

Oberstes Bild: Das Bahai-Weltzentrum in Haifa (© Dani Lavi 0007, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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