Monte Testaccio – Roms achter Hügel

13.08.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Monte Testaccio – Roms achter Hügel
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Rom soll auf sieben Hügeln erbaut worden sein. Doch es gibt noch einen weiteren im Gebiet der Tiber-Metropole: den Monte Testaccio. Er liegt südlich des historischen Stadtzentrums zwischen Tiber und der Ausfallstrasse Via Ostiense. Nach diesem Hügel ist auch der gesamte Stadtteil benannt – Testaccio. Der „Berg“ gilt als kulinarischer Geheimtipp und Ort für Nachtschwärmer und Szene-Liebhaber.

Ein antiker Scherbenhaufen

Der Name „Monte Testaccio“ stammt vom lateinischen „testae“, was so viel wie „Scherben“ bedeutet. Der Monte Testaccio ist also der Scherbenhügel – ein wahrhaft treffender Name. Denn tatsächlich handelt es sich bei ihm um ein Menschenwerk. Er besteht aus Abermillionen antiker Scherben, die hier aufgeschichtet wurden. Sie bilden die Überreste von zerbrochenen Amphoren aus römischer Zeit. Die gab es an diesem Ort reichlich, denn in der Antike befand sich in seiner Nähe Roms Hafen. Beim Transport der in Amphoren verstauten Waren kam es immer wieder zu Unfällen und etliche Stücke gingen dabei zu Bruch. Am Monte Testaccio wurden sie entsorgt.

Monte Testaccio 1625 (Wikipedia)

Monte Testaccio 1625 (Wikipedia)




Das ging so über Jahrhunderte. Kein Wunder, dass die Müllhalde sich allmählich zu einem kleinen Berg auswuchs. Doch wer heute den baumbestandenen Hügel sieht, denkt nicht an seine ursprüngliche Funktion: Heute ist der Monte Testaccio eine Attraktion wegen seiner Restaurants und eleganten Treffpunkte. Hier kommt her, wer in Rom schön und stylish ausgehen möchte.

Terrassen auf dem Monte Testaccio (Bild: Lalupa, Wikimedia)

Terrassen auf dem Monte Testaccio (Bild: Lalupa, Wikimedia)

Ursprungsort römischer Küche



Auch das war längst nicht immer so. Denn auch in nachantiker Zeit galt die Gegend um den Monte Testaccio nicht unbedingt als fein. Am Rande der Stadt gelegen, hatte man hier bis ins 19. Jahrhundert Roms Schlachthöfe angesiedelt. Ihnen hat der Monte Testaccio seine heutige kulinarische Berühmtheit zu verdanken. Denn es gibt in Rom kaum einen Ort, wo authentische römische Küche noch so gepflegt wird.



Diese ist typischerweise eine Arme-Leute-Küche. So blieben früher für die ärmeren Römer beim Schlachten vor allem die Abfälle, insbesondere die Innereien übrig. Das Fleisch hingegen landete auf den Tischen der Reichen. Das erklärt, warum sich in den Kochtöpfen der nicht so begüterten Römer die weniger wertvollen Zutaten sammelten. Auch für unsere Gaumen ein Genuss ist der Coda alla Vaccinara, Ochsenschwanzragout. Gewöhnungsbedürftiger für manche sind dagegen schon die Spezialitäten Trippa alla Romana – Rindskutteln in Tomatensosse – oder Coratella – Herz und Lunge. Am Monte Testaccio kann man sie in exzellenter Zubereitung geniessen.

Coda alla vaccinara – Schmorgericht der römischen Küche aus Ochsenschwanz. (Bild: shu tu, Wikimedia, CC)

Coda alla vaccinara – Schmorgericht der römischen Küche aus Ochsenschwanz. (Bild: shu tu, Wikimedia, CC)

Beliebter Party- und Szenetreff

Die Lokalitäten des Scherbenhaufens sind fast alle in den Berg hineingegraben. Dabei hat man auf künstliche Höhlen zurückgreifen können, die früher als Lagerräume für Wein und andere Güter genutzt wurden. Rund um den Hügel konzentriert sich Roms Klubszene. Neben Restaurants gibt es hier zahlreiche Bars, Klubs und Discotheken – nicht immer ein billiges Vergnügen. Langeweile kommt am Monte Testaccio jedenfalls nicht auf. Man kann mühelos den Abend mit einem Aperitif in einer Bar beginnen, sich dann dem Essen hingeben und anschliessend bis in den Morgen abtanzen. Eine locker-leichte Atmosphäre umgibt somit den Hügel.

Die ehemaligen Schlachthöfe werden übrigens heute als alternatives Kulturzentrum genutzt. Hier finden im Sommer Ausstellungen, Konzerte und Festivals statt. Das Viertel Testaccio selbst ist heute eine beliebte Wohngegend für Studenten und Künstler. Sie tragen viel zum jugendlichen und bunten Erscheinungsbild bei. Um nach anstrengenden Besichtigungen in der Ewigen Stadt abzuschalten und willkommene Abwechslung zu finden, ist der Monte Testaccio jedenfalls ideal.

 

Oberstes Bild: Fontana delle Anfore auf dem Monte Testaccio (Carlomorino, Wikimedia)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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