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Zu den Höllgrotten im Lorzetobel – wie Sie Kinder zum Wandern motivieren können

12.02.2015 |  Von  |  Alle Länder, Europa, Schweiz
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Zu den Höllgrotten im Lorzetobel – wie Sie Kinder zum Wandern motivieren können
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Besonders während der Schulferien nehmen gerne Familien mit Kindern an meinen Wanderungen teil. Das macht immer Spass, aber stellt an die Organisation andere Ansprüche. Dann wähle ich kürzere Anreisewege und leichtere Strecken, aber organisiere den Tag jeweils so, dass noch etwas Besonderes als „nur“ Wandern geboten wird.

Ich stelle nämlich immer wieder fest, dass Kinder jeden Alters mit Begeisterung dabei sind, aber im Gegensatz zu den Erwachsenen nicht einfach nur stundenlang vor sich hinlaufen möchten. Sie sind jedoch leicht zu motivieren, wenn unterwegs beispielsweise ein Schloss, eine Feuerstelle oder ein Badesee zu einer Rast einladen.

Eine solche Wanderung voller Highlights stelle ich Ihnen hier vor. Wir, sieben Erwachsene und fünf Kinder, trafen uns an einem sonnendurchfluteten Sommertag vormittags am Bahnhof Baar im Kanton Zug. Da die Kinder schon voller Tatendrang waren, verzichteten wir auf den sonst üblichen Startkaffee und machten uns gleich auf die Socken. Der Wanderwegweiser wies die Richtung zur Allmend, und schon bald liessen wir den Ort hinter uns. Ein Pfad führte bergauf und von dort hinab in den zerklüfteten Schwarzenbachtobel. Der Weg ist auch an etwas steileren Stellen gut gesichert. Also war es kein Problem, dass die Jungmannschaft vorneweg sprang.

Als wir ihnen ankündigten, dass in Kürze die Ruine Wildenburg auftaucht und wir dort grillieren werden, war die Vorfreude gross. Beides eignet sich hervorragend, um selbst kleine Stubenhocker mit raus in die Natur zu locken: Grillieren kommt ebenso gut an wie das Erkunden alter Gemäuer. Und da ich immer wieder überrascht bin, welche Fragen schon die Jüngsten beim Besuch von Burgruinen stellen, war ich dieses Mal vorbereitet: Staunend hörten Sie, dass die Wildenburg schon 700 Jahre alt ist, von richtigen Rittern bewohnt wurde, aber bereits seit etwa 500 Jahre leer steht und deshalb einfach zerfiel. Erst seit 1938 schenkte man ihr wieder Aufmerksamkeit und begann mit Ausgrabungen, viel später erst mit der Restaurierung. Sie gehört heute dem Kanton Zug.

Wildenburg in Zug (Bild: MCaviglia, Wikimedia, CC)

Wildenburg in Zug (Bild: MCaviglia, Wikimedia, CC)

Die kleinen Mädchen wollten wissen, ob auch eine Prinzessin in der Burg lebte, womit ich eigentlich überfragt war, aber eine Geschichte erfand, die sie überzeugte und fesselte. In der Zwischenzeit hatten die Buben genug vom Herumklettern in den alten Gemäuern, fanden die Prinzessin ganz doof, schnitzen derweil lieber Stöcke für die Cervelats und halfen beim Feuer machen. Nachdem Jung und Alt satt und zufrieden waren, genossen und fotografierten wir noch den beeindruckenden Blick, welchen man von der Burgruine aus in den hier schluchtartigen Lorzetobel hat. Die Kinder wollten gerade anfangen zu quengeln, weil sie keine Lust hatten weiterzulaufen und es hier doch so schön wäre, als wir ihnen versprachen, dass der eigentliche Höhepunkt der Wanderung noch bevorstand: nämlich die Höllgrotten.





Höllgrotten im Lorzetobel – das Zauberschloss. (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

Höllgrotten im Lorzetobel – das Zauberschloss. (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

Sie haben wahrscheinlich noch nie gesehen, wie flott plötzlich fünf eben noch wandermüde Kinder davonstürmen können! Der Weg zu den Grotten verläuft vorbei an einem Bauernhof und führt dann links in den Lorzetobel. Der Flussübergang ist nicht zu verfehlen. Am anderen Ufer liefen wir Tal auswärts bis zu einer gedeckten Holzbrücke. Nun war es nicht mehr weit, bis der Talgrund durch die Felsen enger wurde und der Eingang der Höllgrotten schon zu sehen war. Bevor wir in den geheimnisvollen Berg eintauchen konnten, mussten zuerst die Tickets gekauft und warme Pullover übergezogen werden. Draussen brannte die Sommersonne, in den Grotten sind es aber stets um die 10 Grad!





Höllgrotten im Lorzetobel – das Krokodil (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

Höllgrotten im Lorzetobel – das Krokodil (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

Nun bin ich ja bezüglich Tropfsteinhöhle verwöhnt: Vielleicht haben Sie auch den Beitrag über meine Heimatstadt gelesen? In Saalfeld/Saale befinden sich die Feengrotten, die als farbigste Tropfsteinhöhlen der Welt sogar im Guinness Buch stehen. Meine Annahme, die Höllgrotten seien so etwas wie eine Mini-Ausgabe der Feengrotten, war aber komplett falsch. Die Grotten im Lorzetobel sind total anders, aber nicht minder beeindruckend und sehenswert. Sie werden nicht in einer Führung vorgestellt, sondern dürfen auf eigene Faust erkundet werden. Was kalkhaltige Quellen in Jahrmillionen an Stalagmiten und Stalaktiten formten, ist so faszinierend, dass ich Ihnen gerne den Link zur Webseite der Höllgrotten aufschreibe, wo sie alle wichtigen Informationen sowie eine Bildergalerie finden können: http://www.hoellgrotten.ch



Im Winter sind die Höllgrotten geschlossen, ab April warten sie wieder auf Besucher, und falls Sie noch nie dort waren, kann ich Ihnen diesen Ausflug wärmstens empfehlen!





Höllgrotten im Lorzetobel – der Stollen. (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

Höllgrotten im Lorzetobel – der Stollen. (Bild: Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)




Wir verweilten eine knappe Stunde in den Grotten, und das Auftauchen aus der kühlen Unterwelt in den Zuger Hochsommer verlangte nach einem Glace. Nach nur wenigen Minuten erreichten wir eine rustikale Wirtschaft. Hier wurde das Tal wieder breiter und rauschte der wilde Höllbach. Bei Kaffee und Eisbechern wurde dieser erlebnisreiche Tag diskutiert, viel gelacht und vor allem die Kinder stürmten, dass wir ganz bald wieder so etwas Lässiges machen sollten. Wie oft heisst es, Kinder würden heutzutage nur vor dem PC oder dem Fernseher hocken … man muss mit Ihnen nur etwas Interessantes unternehmen: Dann wird auch der grösste Stubenhocker zum Burgen- und Höhlenforscher, zum Wanderer und Naturfreund!

Dieser Tag hielt ein überraschendes Highlight für uns parat: Am ruhigen Lorzeuferweg schlenderten wir unserem Ziel, dem Bahnhof Baar entgegen, als plötzlich aus der Nähe Bouzouki-Klänge zu hören waren. Ich bin so oft auf den griechischen Inseln umhergereist, dass mich die Musik magisch anzog. Meine Wandergruppe war neugierig wie ich und sofort einverstanden, zu schauen, ob es denn in der Nähe eine Taverne hat. Überrascht standen wir vor einer Scheune, in welcher eine griechische Familie eine lange Tafel mit allen möglichen Speisen gefüllt hatte. Draussen tanzten die jüngeren Leute, während die älteren schwatzend am Tisch sassen. Wir waren in eine private Familienfeier geraten.

Ehe wir es uns versahen, wurden uns die Rucksäcke abgenommen und waren wir am Sirtaki tanzen. Das sah mit den Wanderschuhen wohl nicht sehr elegant aus, aber die Mittänzer hatten schon genügend Wein und Ouzo getrunken, dass die unser mangelndes rhythmisches Talent gar nicht bemerkten. Nachdem wir noch alle Speisen probieren mussten oder durften, bedankten wir uns herzlich, liefen wohltuend müde und rundherum zufrieden zum Zug, der auch schon bald eintraf.
Dieser Wanderausflug liegt schon vier oder fünf Jahre zurück, aber noch heute reden und lachen wir über die Erlebnisse und Eindrücke, die jener Tag uns bescherte.

Auch Sie dürfen uns gerne begleiten. Den Link zu meiner Webseite finden Sie im Autorenprofil.

 

Oberstes Bild: Höllgrotten im Lorzetobel – der Dom. (© Flavio Heggli / Daniel Christen, Höllgrotten Baar)

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