Kappadokien – im Land der Feenkamine und Höhlenkirchen

10.06.2016 |  Von  |  Alle Länder, Naher Osten
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Kappadokien – im Land der Feenkamine und Höhlenkirchen
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Bei Ferien in der Türkei denken viele zuerst an Bade- und Strandvergnügen. Die touristischen Zentren an der Agäis und der türkischen Riviera bieten hierfür eine Vielzahl an Gelegenheiten. Kulturinteressierte fokussieren sich vor allem auf Istanbul, Troja oder Ephesos im Westen. Dabei hat die Türkei auch im Landesinneren Interessantes zu bieten – zum Beispiel die alte Landschaft Kappadokien in Zentralanatolien. Hier lassen sich Natur und Kultur in einer einzigartigen Verbindung erleben.

Im Mittelpunkt steht dabei die kleine Stadt Göreme. Sie liegt 20 km östlich der Provinzhauptstadt Nevsehir, nächste Grossstadt ist das 230 km südwestlich gelegene Konya. Das Umfeld von Göreme ist bereits vor Längerem als UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe ausgezeichnet worden. Dies hängt wesentlich mit der geologischen Beschaffenheit der Region zusammen.

Vulkangestein und Erosionsprozesse

Kappadokien ist eine alte Vulkanlandschaft. Bis in die Steinzeit bestand hier vulkanische Aktivität. Bei zahlreichen Eruptionen wurden neben Lava grosse Mengen an Asche ausgeworfen. Die Asche verdichtete sich im Zeitablauf mit anderem vulkanischen Material zu Gestein, sogenanntem Tuff. Tuffgestein ist relativ weich und löchrig. Es bietet daher Angriffsflächen für Erosion.


Kappadokien ist eine alte Vulkanlandschaft. (Bild: © cobalt88 - shutterstock.com)

Kappadokien ist eine alte Vulkanlandschaft. (Bild: © cobalt88 – shutterstock.com)


Dieser Prozess aus Wasser, Wind und klimatischen Einflüssen wirkt auch in Kappadokien nachhaltig. Über Jahrtausende wurde hier Tuff abgetragen. Die Erosion erfolgt aber nicht gleichmässig. Es gibt härtere und weichere Gesteinsschichten. Dort, wo härteres Gestein vorhanden ist, bleiben darunterliegende weichere Schichten zunächst von der Abtragung verschont. Das Ergebnis sind bizarre Felsformationen.


Kamelfelsen in Kappadokien (Bild: © Tatiana Popova - shutterstock.com)

Kamelfelsen in Kappadokien (Bild: © Tatiana Popova – shutterstock.com)


Felsennadeln und Feenkamine

Ganze Gärten aus rötlichen oder grau-weiss gefärbten Felsennadeln prägen das Landschaftsbild Kappadokiens. Dort, wo einzelne Felsen stehen bleiben, werden sie gerne als Feenkamine bezeichnet. Nicht selten haben sie die Form eines aufrecht stehenden Spargels oder Phallus. Es ist faszinierend, die Tuffformationen auf einer Fahrt mit einem Heissluftballon von oben zu betrachten. Das Spiel aus Sonnenlicht und Schatten gibt der Landschaft ein magisches Aussehen. Es handelt sich dabei um eine vergängliche Schönheit, denn der Erosionsprozess ist nicht zu Ende.


Feenkamine von Kappadokien (Bild: © Volker Rauch - shutterstock.com)

Feenkamine von Kappadokien (Bild: © Volker Rauch – shutterstock.com)


Höhlen zum Schutz gegen Feinde

Tuffgestein ist wegen seiner typischen Eigenschaften für menschliche Bearbeitung prädestiniert. Bereits in vorchristlicher Zeit wurden in die Felsen um Göreme und an weiteren Orten Höhlen geschlagen. Manchmal sind daraus später ganz unterirdische Städte gewachsen, die bis zu acht Ebenen umfassen. Insgesamt 36 solcher Städte wurden inzwischen in Kappadokien identifiziert, nur wenige sind für Besichtigungen zugänglich. Sie bilden neben den Tuffformationen das zweite Wunder Kappadokiens.


Höhlen zum Schutz gegen Feinde (Bild: © thipjang - shutterstock.com)

Höhlen zum Schutz gegen Feinde (Bild: © thipjang – shutterstock.com)


In ihrem heutigen Erscheinungsbild sind die Höhlen vor allem zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert n. Chr. entstanden. In dieser Zeit gehörte Kappadokien zum byzantinischen Reich. Die christlichen Bewohner Kappadokiens mussten aber viele Überfälle fremder Invasoren fürchten. Hunnen, Seldschuken, Turkmenen und zuletzt Osmanen bedrohten und verwüsteten die Region. Die Höhlen dienten als Zufluchts- und Schutzorte. Die Schätzungen über die Zahl der hier zeitweise lebenden Menschen gehen weit auseinander: Sie reichen von einigen Tausend bis zu mehreren Zehntausend.


Haus in Kappadokien (Bild: Brocken Inaglory, Wikimedia, CC)

Haus in Kappadokien (Bild: Brocken Inaglory, Wikimedia, CC)


Das Freilichtmuseum von Göreme

In Göreme ist die Höhlenwelt vor allem im Göreme Open Air Museum ausserhalb des Ortes zu besichtigen. Hier finden Besucher ein ganzes Ensemble an Höhlenkirchen und -kapellen. Alleine ist man dabei allerdings nicht, denn das Freilichtmuseum ist ein beliebtes Ziel von Busreisen. Auf dem Weg zum Museum liegen zwei besonders sehenswerte Kirchen: die Tokali Kilise (Kirche mit Schnalle) überrascht Besucher mit farbenprächtigen, gut erhaltenen Fresken, die Sakli Kilise (versteckte Kirche) ist ebenfalls wegen ihrer Wandmalereien sehenswert.

Im Umfeld von Göreme gibt es schöne Wanderziele mit weiteren Höhlenkirchen. Im Zemi-Tal ist die teilweise weggebrochene El Nazar Kilise mit Freskenausstattung zu sehen. Im Schwertertal ist die Kiliclar Kilise erhalten. Das Tal hat seinen Namen nach der Schwertform seiner Feenkamine.


Im Freilichtmuseum von Göreme (Bild: Dennis Jarvis, Wikimedia, CC)

Im Freilichtmuseum von Göreme (Bild: Dennis Jarvis, Wikimedia, CC)


Kaymakli und Derinkuyu – alte Höhlenstädte

Auf zwei herausragende unterirdische Städte soll noch hingewiesen werden. Sie liegen südlich von Göreme und können beide besichtigt werden.

Im gut 20 Kilometer entfernten Kaymakli wurde eine auf acht Stockwerken angelegte Anlage errichtet. Fünf davon sind für Besucher geöffnet. Im ersten Stock befinden sich Lagerräume und Ställe. Über Tunnel erreicht man die darunterliegende Ebene. Hier sind Wohnräume, eine Kirche und Grabstätten zu sehen. In den tieferen Stockwerken wurden Arbeitsräume, Lebensmitteldepots, Werkstätten und eine gemeinschaftliche Küche eingerichtet. Der ganze Komplex wird durch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem versorgt.


Höhleneingang in Cappadocia (Bild: © Pakhnyushchy - shutterstock.com)

Höhleneingang in Cappadocia (Bild: © Pakhnyushchy – shutterstock.com)


Derinkuyu (Bild: © Pakhnyushchy - shutterstock.com)

Derinkuyu (Bild: © Pakhnyushchy – shutterstock.com)


Kaymakli (Bild: © photolinc - shutterstock.com)

Kaymakli (Bild: © photolinc – shutterstock.com)


Derinkuyu (Bild: © Pakhnyushchy - shutterstock.com)

Derinkuyu (Bild: © Pakhnyushchy – shutterstock.com)


Kaymakli (Bild: © photolinc - shutterstock.com)

Kaymakli (Bild: © photolinc – shutterstock.com)


Kaymakli (Bild: © cobalt88 - shutterstock.com)

Kaymakli (Bild: © cobalt88 – shutterstock.com)


Neun Kilometer weiter südlich liegt die Höhlenstadt Derinkuyu. Hier konnte bisher ein Viertel des Höhlensystems erschlossen werden, das auch zugänglich ist. Auch diese unterirdische Stadt wurde auf acht Ebenen angelegt. Ähnlich wie in Kaymakli gibt es hier Wohnräume, Lager, Werkstätten, Gemeinschaftsräume und Kirchen, die durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Es soll sogar ein Verbindungstunnel zu der nördlichen Nachbarstadt bestanden haben, der aber bisher nicht nachgewiesen werden konnte.



Sich Zeit nehmen

Ein Aufenthalt in Kappadokien ist ein starker Kontrast zu Badeferien an der türkischen Mittelmeerküste. Einige Tage Zeit dafür sollte man sich schon nehmen. Dann wird ein Besuch im Land der Feenkamine und Höhlenkirchen zum unvergesslichen Erlebnis.

 

Artikelbild: © Kanuman – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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