Masuren in Polen: Im Reich der Schneekönigin

16.01.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

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Masuren in Polen: Im Reich der Schneekönigin
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Schnee weit und breit. Weiss sind die zugeschneiten Felder, weiss – die zugefrorenen Seen, weiss – die unendlichen Wälder entlang des Weges, die einen flauschigen weissen Mantel übergeworfen zu haben scheinen, um ihre winterliche herbe Nacktheit zu bedecken. Wir sind im Winter und wir sind in Masuren. Eine Kombination die ganz besonders ist. Nichts für Warmduscher, denn die hiesigen Winter zählen zu den kältesten in Europa. Väterchen Frost bringt von Russland her einen echten Winter nach Masuren: Mit Eis und Schnee, in dem die Gegend versinkt, und eisigem Wind, der einem im Gesicht brennt.

Masuren ist ein ausgezeichnetes Reiseziel für all diejenigen, die nicht nur ein ganz besonderes Reiseerlebnis anstreben, sondern auch den wahren Sinn des Wortes „Ferien“ entdecken wollen. Eine der wichtigsten Bedeutungen des lateinischen Wortes „feriae“ war „Ruhetage“, und genau das wird jeder finden, der im Winter in Masuren zu Gast ist.



Endloser Winter (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Endloser Winter (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

Oft haben wir im Urlaub nicht weniger Stress als im Alltag, mit dem einzigen Unterschied, dass er positiv ist. Ansonsten aber die gleiche Hektik: Man will alles sehen, überall hinfahren, jede Spezialität probieren, sich nichts entgehen lassen. Das winterliche Masuren ist da ganz anders: Es gibt nämlich nicht viel zu tun, und nicht viel zu sehen. Nur Schnee und Eis soweit das Auge reicht. Und genau das macht Masuren zum perfekten Ort, um vom anstrengenden Jahr, das zurückliegt, Abstand zu nehmen, sich der Mühen und der Last des Alltags zu entledigen, und einfach zur Ruhe zu kommen. Eine echt schöne Alternative zu den überfüllten Modeskiorten in den Alpen.

Siegfried Lenz und die „Zeit“-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff schrieben mit grosser Liebe und Nostalgie über Masuren und erschufen so einen Sehnsuchtsort.  Der Bestsellerautor Ernst Wiechert verbrachte Ende des 19. Jahrhunderts in Masuren seine Kindheit und schwärmte in vielen seiner Bücher vom „einfachen Leben in seiner Heimat“. In einem seiner Bücher schrieb er: „ Als ich ein Kind war, lebte ich in den grossen Wäldern wie ein kleines Tier in seiner Höhle, und kein Fremder klopfte an unser Haus. Der Schnee spann mich ein und die Träume.“





Schnee so weit das Auge reicht (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Schnee so weit das Auge reicht (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)




Die masurische Landschaft erfreut das Auge mit ihren mehr als 3000 grossen und kleinen Seen und einer Unzahl von Wäldern. Natürlich zieht das in den warmen Jahreszeiten die Touristen in Scharen an. Was sie nicht alles machen können! Fahrrad und Kajak fahren, tauchen, Pilze sammeln, reiten oder segeln. In den kalten Monaten bleibt nicht viel davon übrig, und selbst das Dorf Krutyn, wo es im Sommer von Touristen nur so wimmelt, scheint im Winterschlaf versunken zu sein. Nur eine Katze läuft mal schnell über den Weg oder ein Dorfbewohner huscht mal schnell zum Dorfladen und kehrt dann eiligst in die warme Stube zurück.

Für die Einheimischen gibt es nicht viel zu tun. Viele Restaurants und Cafés schliessen im Winter und lassen die sonst so belebte touristische Hochburg Krutyn wie ausgestorben wirken. Gar nicht so ungünstig für den mutigen winterlichen Gast: Die Menschen hier sind immer sehr freundlich, aber im Winter haben sie einfach mehr Zeit für einen. Und was noch wichtiger ist, sie lassen einen an ihrem normalen winterlichen Alltag abseits der stillgelegten touristischen Maschine teilnehmen. Ein nettes Schwätzchen hier, ein ausgedehnter Spaziergang durch die winterliche Landschaft da oder einfach am heissen Kachelofen gemütlich sitzen und über die Legenden und Sagen Masurens sprechen – das alles bekommt der Besucher als nette Extras zu seinem Reisepaket.

Schlittenfahrt durch masurischen Wald (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Schlittenfahrt durch masurischen Wald (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

Auch die Pensionen in der Gegend erfreuen die Besucher durch echte unverfälschte Gastfreundlichkeit. Alle Häuser sind sehr gemütlich und stehen den Gästen in allem, was Winteraktivitäten betrifft, mit Rat und Tat zur Seite.

Kadzidtowo ist eine originalgetreue Kultursiedlung im Naturpark Masurens, betrieben vom Ehepaar Worobiec. Die Besitzer Danuta und Krzysztof haben mehrere Holzhäuser (eines davon aus dem 17. Jahrhundert) um einen malerischen Teich herum restauriert. Im Gasthof tritt man in eine gemütliche Bauernstube ein: Den Dielenboden bedecken handgemachte Flickenteppiche, die alten Holztische scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen, überall Kerzenlicht und Gemütlichkeit.





Winterabend am Kaminfeuer – gemütlicher geht es nicht! (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Winterabend am Kaminfeuer – gemütlicher geht es nicht! (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

In der Pension „Krutynska Chata“ ist das Kaminzimmer behaglich warm: im Kamin knistert munter das Feuer, gemütliche Sofas laden zu Verweilen ein. Man bekommt im Winter sicherlich ein Zimmer mit Kachelofen, der zusammen mit der rustikalen Einrichtung, der Gastfreundlichkeit der Gastgeber und Vollpension aus gutem hausgemachtem Essen einfach seelenberuhigend wirkt.

Wenn man in der kalten Jahreszeit auch nicht viel unternehmen kann, dann sind die winterlichen Aktivitäten von einer ganz anderen Dimension. In der Pension steht die Skiausrüstung den Gästen kostenlos zur Verfügung. Skier angeschnallt und schon läuft man los durch zugescheite Wälder und zugefrorenen Seen. In der silbernen Stille hört man nur den Schnee leise knirschen. Man sieht mehr Tierspuren als Menschen. Die Luft ist kalt und es scheint dass es auch innen ganz still und kristallklar wird.

Masuren – das Winterparadies für Skilangläufer (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Masuren – das Winterparadies für Skilangläufer (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

Für bescheidene 10 Euro kann man am nahe liegenden See eine ganze Woche lang eisangeln gehen – eine sehr beliebte Winteraktivität für Einheimische und Angler unter den Gästen. Ein anderer Wintermärchenspass sind die Schlittenfahrten mit der Pferdekutsche. Auf Wunsch können Tagesausflüge durch die masurischen Wälder, Lagerfeuer inklusive, organisiert werden. Wer Mut dazu hat, kann sogar Eissegeln auf den grossen Seen reservieren.

Eisangeln in Masuren – Spaß für Jung und Alt (Bild: ©Landhaus-Pension „Krutynska Chata“)

Eisangeln in Masuren – Spass für Jung und Alt (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

Wer Ruhe sucht, Sehnsucht nach unberührter Natur hat, und sich erinnern will, wie einfach die wirklich guten Dinge im Leben sind, wird sich sicherlich in der herrlichen Natur Masurens mit seinen schneereichen Wintern wohl fühlen.



 

Oberstes Bild: Wintermärchen Masuren (Bild: www.masurenurlaub.net, Mark Flatt)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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