San Remo – Traditionsbad an der Blumenriviera

23.06.2015 |  Von  |  Alle Länder
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San Remo – Traditionsbad an der Blumenriviera
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Dort, wo die französische Côte d’Azur endet, beginnt die italienische Riviera. Schon 30 Kilometer hinter der Grenze erreicht man auf italienischer Seite San Remo – einen Klassiker der mondänen Badeferien und eines der schönsten Ziele in Ligurien.

Schon im 19. Jahrhundert hatte San Remo einen Ruf als exklusives Reiseziel des internationalen Hochadels und des Grossbürgertums. Diese Zeiten mögen heute vorbei sein, doch immer noch lockt der Ort mit seiner malerischen Landschaft, der mediterranen Atmosphäre und seinem angenehmen Klima Reisende aus nah und fern an, um hier die Ferien zu verbringen.

Das Ziel in der Belle Époque

Es war die russische Kaiserin Marija Alexandrowna, die Gemahlin Zar Alexanders II., die San Remo ab dem Jahr 1864 als Platz zum Überwintern wählte und damit den Startschuss für eine atemberaubende Karriere des bis dahin verträumten Fischerortes gab. Die schöne Lage San Remos an der ligurischen Küste mit den Ausläufern der Seealpen als Bergkulisse und die warmen Temperaturen am Mittelmeer mögen dafür ausschlaggebend gewesen sein. Viele russische Aristokraten und auch Angehörige der Oberschicht aus anderen Ländern Europas folgten bald ihrem Beispiel und verbrachten kürzere oder längere Zeiten an der Riviera.

Zu den bekanntesten Gästen San Remos zählten die österreichische Kaiserin Sisi, der deutsche Kaiser Friedrich III., Zar Nikolaus II. oder der Schwede Alfred Nobel. Mehmed VI., der letzte Sultan des Osmanischen Reiches, verbrachte hier seine Jahre im Exil. Um 1900 gab es in San Remo bereits mehr als zwei Dutzend Nobelhotels und über 200 vornehme Villen, die als Domizil oder Gästeherberge dienten. Zur selben Zeit entstanden auch Einrichtungen, die für Kurzweil beim Aufenthalt der exklusiven Gäste sorgen sollten – die Spielbank, Golfmöglichkeiten, eine Pferderennbahn und ähnliches. San Remo galt als das angesagte Reiseziel in der sogenannten Belle Époque, den schönen Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.


Der Yachthafens hat seine Existenz vor allem dem Tourismus zu verdanken. (Bild: © Dimitri Surkov - fotolia.com)

Der Yachthafens hat seine Existenz vor allem dem Tourismus zu verdanken. (Bild: © Dimitri Surkov – fotolia.com)


Bis heute zeigt die Stadt daher Besuchern zwei sehr unterschiedliche Gesichter. Das alte San Remo präsentiert sich in den verwinkelten Gassen des historischen Stadtviertels „La Pigna“ und gruppiert sich um das Heiligtum der Madonna della Costa. Zum Meer hin und im Bereich des Yachthafens zeigt sich dagegen das im 19. und 20. Jahrhundert entstandene San Remo, das seine Existenz vor allem dem Tourismus zu verdanken hat.

La Pigna – im alten San Remo

Die Bezeichnung „La Pigna“ heisst übersetzt „Pinienzapfen“ und wird mit der Art der Anlage der Häuser rund um einen Hügel erklärt, die den Schuppen eines Pinienzapfens gleicht. Die Spitze bildet das Marienheiligtum, das bedeutendste religiöse Bauwerk der Stadt. Dieses alte San Remo wurde wohl um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend begründet, jedenfalls stammen die ältesten schriftlichen Dokumente aus dieser Epoche. Es gibt aber auch einige Spuren aus römischer Zeit.

La Pigna konnte sich bis heute dem Touristentrubel entziehen. Das Stadtviertel besteht aus einem Gewirr von engen Gässchen, die vielfach überdacht sind, idyllischen Ecken und kleinen Plätzen. An vielen Häusern blättert der Putz ab und manche Fassade verströmt einen morbiden Charme. In diesem ursprünglichen Quartier kann man sich noch gut den früheren Fischerort vorstellen. Für Autos ist in La Pigna kein Platz, man muss sich die Altstadt zu Fuss erschliessen, was sicher am besten ist, um authentische Atmosphäre zu erleben.


La Pigna besteht aus einem Gewirr von engen Gässchen, idyllischen Ecken und kleinen Plätzen. (Bild: © Joana Kruse - shutterstock.com)

La Pigna besteht aus einem Gewirr von engen Gässchen, idyllischen Ecken und kleinen Plätzen. (Bild: © Joana Kruse – shutterstock.com)


Die Wallfahrtskirche Madonna della Costa krönt gleichsam die Altstadt. Dank ihrer exponierten Lage auf einem Hügel ist sie ein hervorragender Aussichtspunkt und dient gleichzeitig nach wie vor Seglern als Landmarke. Der Bau in seiner heutigen Form ist ein Werk des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Inneren zeigt sich die Kirche mit einer reichen barocken Ausstattung, schönen Fresken und einer prächtigen Kuppel.

Glücksspiel und russischer Kirchenbau

Das mondäne San Remo der Belle Époque hat zwei Wahrzeichen: die Spielbank und die russisch-orthodoxe Kirche. Das Casino wurde im Jahr 1905 im Stil des französischen Neo-Klassizismus errichtet. Auch heute noch wirkt der strahlend-weisse Bau mit seinen beiden Türmen und der säulengeschmückten Fassade als „Eyecatcher“. Ursprünglich war er als Kursaal und Platz für Veranstaltungen gedacht. Der Spielbetrieb gehörte aber von Anfang an dazu und sollte später zum „Kerngeschäft“ werden. Auch in unseren Tagen geht es hier ums (finanzielle) Glück. Die Spielbank von San Remo ist eins von fünf Casinos in Italien und fast so legendär wie die Einrichtung im nahen Monte Carlo. Unmittelbar anschliessend an die Spielstätte beginnt die Via Giacomo Matteotti, die zentrale Einkaufsmeile der Stadt. Hier findet der Besucher eine Vielzahl an eleganten Geschäften, Cafés, Restaurants und Bars. Die Strasse ist das kommerzielle Herz San Remos.


Das Casino wurde im Jahr 1905 im Stil des französischen Neo-Klassizismus errichtet. (Bild: © Crisferra - shutterstock.com)

Das Casino wurde im Jahr 1905 im Stil des französischen Neo-Klassizismus errichtet. (Bild: © Crisferra – shutterstock.com)


Die nahe des Casinos gelegene russisch-orthodoxe Kirche erscheint an diesem Ort fast ein wenig deplatziert. Die charakteristische Architektur mit den Zwiebeltürmen bildet einen eigenwilligen Kontrast zur südlichen Stimmung und zum Grün der Palmen im Umfeld. Die Existenz des dem Erlöser und der Heiligen Katharina geweihten Baus ist der vornehmen russischen Gästeschar der Jahrhundertwende zu verdanken. Die Einweihung der Kirche im Jahr 1913 markierte gleichzeitig den Schlusspunkt dieser Ära, denn der Erste Weltkrieg und die Oktoberrevolution sollten dem Tourismus aus dem fernen Russland sehr bald ein jähes Ende bereiten.

Zauberhafte Bauten aus der Belle-Époque-Ära hat San Remo noch viele zu bieten. Ein Beispiel ist das Rathaus, das einmal als „Bellevue Palace“ zu den exklusivsten Hotel-Adressen der Stadt zählte. Weitere Beispiele sind die Villa Ormond, die einst einem reichen Schweizer Geschäftsmann gehörte und in einem wunderschönen Park liegt, oder die Villa Nobel, die maurische Stilelemente zeigt. Viele der alten Villen liegen in Ufernähe, wo sich der weitläufige Jachthafen Portosole erstreckt, der heute als Ankerplatz für Hunderte von Booten und Jachten dient.


Die russisch-orthodoxe Kirche (Bild: © Eve81 - shutterstock.com)

Die russisch-orthodoxe Kirche (Bild: © Eve81 – shutterstock.com)


Die Stadt der Blumen 

In Italien gilt San Remo als Blumenstadt, und die Küste der Riviera wird in diesem Abschnitt auch als „Riviera dei Fiori“ – Blumenriviera – bezeichnet. Das hat einen Grund. Blumenzüchtung bildet seit über 100 Jahren neben dem Tourismus einen Hauptwirtschaftsfaktor der Region. Die Blumenfelder haben vielerorts die vorher typischen Olivenhaine und Zitruspflanzungen verdrängt, fast jeder Ort an der Küste verfügt über einen eigenen Blumenmarkt. Der etwas ausserhalb gelegene „Mercato dei Fiori“ in San Remo gehört zu den grössten Handelszentren dieser Art an der Riviera.


In Italien gilt San Remo als Blumenstadt. (Bild: © efesenko - fotolia.com)

In Italien gilt San Remo als Blumenstadt. (Bild: © efesenko – fotolia.com)


Das jährlich am Übergang vom Winter zum Frühjahr stattfindende Blumenfestival bildet mit seiner Parade eine besonders farbenprächtige Veranstaltung und ist ein Highlight im facettenreichen Event-Kalender der Stadt. Weitere Höhepunkte sind das renommierte Radrennen Mailand–San Remo und das in ganz Italien bekannte San-Remo-Musikfestival, das traditionell im Ariston-Filmtheater stattfindet. Die Veranstaltung dient heute als italienische Vorauswahl für den Eurovision Song Contest.



Auch wenn der Glanz vergangener Zeiten inzwischen etwas verblasst sein mag und die Belle Époque lange zurückliegt, in ihren Bauten und dem Erscheinungsbild strahlt die Stadt noch viel von ihrem noblen und mondänen Charme jener Ära aus. Wer danach sucht, wird in San Remo noch vieles entdecken, was die grosse Zeit des vornehmen Kur- und Seebades wieder lebendig werden lässt.   

 

Oberstes Bild: © aigarsr – fotolia.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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