Zu Besuch in Siena – der alten Rivalin von Florenz

13.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Zu Besuch in Siena – der alten Rivalin von Florenz
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Rund 50 Kilometer südlich von Florenz liegt Siena – eines der schönsten Ziele der Toskana. Eine Reise in die Region sollte daher an der stolzen Stadt mit ihrer grossen Vergangenheit nicht vorbeiführen. Bis heute prägt die traditionelle Rivalität zu Florenz das Bewusstsein der Sieneser und zeigt sich auf vielen Gebieten – in ihren Bauten, bei Kunst, Bildung und Kultur sowie in wirtschaftlicher Hinsicht.

Ähnlich wie Florenz bildete Siena im Mittelalter eine eigenständige Stadtrepublik. Bereits im 12. Jahrhundert kam es zu Auseinandersetzungen mit der mächtigen Nachbarin im Norden. Beide Städte lagen fortan im mehr oder weniger ständigen Streit um Territorien und die Vorherrschaft. Mal siegte die eine Seite, mal die andere. Auch der Gegensatz zwischen Kaiser und Papst spielte dabei eine Rolle.



Hinzu kamen innere Auseinandersetzungen, die häufig zu Verschwörungen, Verrat, Umstürzen und Aufständen führten – die Stadtgeschichte Sienas böte genug Stoff für Shakespearesche Dramen. 1555 endete die Zeit der Unabhängigkeit. Kurze Zeit später wurde die Stadt unter Cosimo I. Medici Teil des Grossherzogtums Toskana.

Tradition: Universität und Bankwesen

So verwirrend und wenig geradlinig die mittelalterliche Stadtgeschichte auch verlaufen sein mag, zwei Konstanten hat sie doch hervorgebracht. 1240 wurde hier eine der ersten Universitäten Italiens gegründet, die auch heute noch einen sehr guten Ruf besitzt. Die über 20’000 Studenten machen Siena zu einer jungen Stadt. In das Jahr 1472 fällt die Gründung der ältesten noch bestehenden Bank der Welt. Die Banca Monte dei Paschi di Siena konnte sich trotz vieler Umbrüche, zuletzt durch die Finanzkrise, bis heute unter Italiens Banken behaupten. Ihr Hauptsitz ist der Palazzo Salimbeni im historischen Zentrum.

Piazza Salimbeni in Siena (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)

Piazza Salimbeni in Siena (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)




Rund um die Piazza del Campo

Während Florenz vor allem durch das Zeitalter der Renaissance geprägt ist, dominiert im mittelalterlichen Stadtbild Sienas die Gotik. Auch dieser Kontrast macht einen vergleichenden Besuch beider Städte besonders reizvoll. Unbestrittener Mittelpunkt Sienas ist die Piazza del Campo im Herzen der Altstadt. Der halbkreisförmige, leicht nach innen geneigte Platz öffnet sich überraschend über schmale Zugänge aus dem umgebenden Gassengewirr.

Im Halbrund gruppieren sich alte Bauten mit zahlreichen Cafés und Restaurants um die Piazza. Die Längsseite wird durch die rote Fassade des Palazzo Publico mit seinem schlanken hohen Turm beherrscht, dem Torre del Mangia. Der Palazzo Publico war einst die politische Schaltzentrale der Stadtrepublik, heute bietet er Besuchern wunderbare Wandfresken im Inneren und einen herausragenden Panoramablick von der Spitze seines Turmes aus.

Der Mittelpunkt Sienas ist die Piazza del Campo im Herzen der Altstadt. (Bild: Guido.Haeger, Wikimedia, CC)

Der Mittelpunkt Sienas ist die Piazza del Campo im Herzen der Altstadt. (Bild: Guido.Haeger, Wikimedia, CC)

Historisches Pferderennen – der Palio de Campo

Die Piazza del Campo ist Austragungsort des Palio de Campo, eines der traditionsreichsten und berühmtesten Pferderennen Italiens. Der Palio de Campo wird von den Contrade, den für Siena typischen Stadtgemeinschaften, durchgeführt. Jedes Jahr am 2. Juli und am 16. August findet das Rennen in historischen farbenprächtigen Aufzügen statt. Sie lassen das Zeitalter der stolzen Stadtrepublik aus dem Mittelalter wieder lebendig werden. Es geht dabei aber um mehr als nur Kostümspektakel. Wegen des engen Raums und der strengen Regeln gilt der Palio de Campo als eines der härtesten Pferderennen überhaupt.

Italiens schönste Bauruine



Sakrales Wahrzeichen der Stadt ist unbestritten der Dom. Er kann als Italiens schönste Bauruine bezeichnet werden, denn die ursprünglich romanische Basilika sollte einmal zu einem grossartigen Bauwerk erweitert werden, das in seinen Ausmassen nicht nur den Dom im benachbarten Florenz, sondern auch die alte St.-Peter-Kirche in Rom übertreffen sollte. Geldmangel und Statikprobleme stoppten das Projekt bereits im Mittelalter.



Geblieben sind das Nordseitenschiff und das Querhaus, das den heutigen Dom bildet und auf der alten Basilika aufbaut. Aber dieser „Rest“ ist eindrucksvoll genug. Mit seiner prächtigen Fassade und der Verkleidung mit schwarzem und weissem Marmor gehört er zu den bemerkenswertesten Beispielen italienischer Gotik. Auch im Inneren beeindruckt der Dom mit seinem kostbaren Mosaikboden und der Innenausstattung.

Dom von Siena (Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA-4.0, Wikimedia, CC)

Dom von Siena (Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA-4.0, Wikimedia, CC)

Im Sieneser Gassengewirr

Direkt gegenüber dem Dom befindet sich das Ospedale Santa Maria della Scala. Das vor über 1000 Jahren gegründete Pilgerhospiz bildet einen gewaltigen Gebäudekomplex für sich. Im Inneren sind wertvolle Fresken und Kunstsammlungen zu besichtigen. Die Liste der baulichen Sehenswürdigkeiten liesse sich fortsetzen. Mehrere Basiliken, zahlreiche Kirchen und Heiligtümer sowie etliche Palazzi sind im engeren Stadtbereich noch zu finden. Es lohnt sich aber auch, sich einfach durch das mittelalterliche Gassengewirr treiben und Siena als Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen.

Via di Fontebranda in Siena (Bild: MarkusMark, Wikimedia)

Via di Fontebranda in Siena (Bild: MarkusMark, Wikimedia)

Katharina von Siena

Auf eine prominente Sieneserin soll noch hingewiesen werden. Katharina von Siena – Heilige, Kirchenlehrerin und Mystikerin – wurde hier geboren und verbrachte ihre Kindheit in der Stadt. Später sollte sie eine der bedeutendsten Frauengestalten der katholischen Kirche werden. Ihr Geburtshaus, das Santuario di Santa Caterina, ist zu besichtigen. Reliquien der Heiligen beherbergt die Basilica di San Domenico in Siena.

Chianti nebenan

Wer nach so viel Stadtbesichtigung genug hat, kann seine Reise ins angrenzende Chianti-Gebiet fortsetzen. Hier locken andere Genüsse.



 

Oberstes Bild: Blick auf Siena und Umgebung (© David McSpadden, WIkimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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