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Armenien – uraltes christliches Land

03.07.2014 |  Von  |  Alle Länder, Naher Osten
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Armenien – uraltes christliches Land
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Es gibt Länder, die lange unserem Blick entzogen waren und erst in den letzten Jahren eine grössere touristische Aufmerksamkeit finden. Dazu gehört auch Armenien. Die ehemalige Sowjetrepublik hat seit ihrer Unabhängigkeit 1991 eine komplizierte Entwicklung durchgemacht. Der Konflikt mit dem Nachbarn Aserbaidschan um das Gebiet Berg-Karabach ist nicht zu Ende, es ist aber ruhiger darum geworden. Heute präsentiert sich das Land in einer stabilen Verfassung, es geht allmählich aufwärts. Als Reiseland ist Armenien vor allem etwas für Kultur- und Naturinteressierte. Für beide hat das Land viel zu bieten.

Armenien ist ein Binnenland und ein Bergland. Über 90 % der Landesfläche liegen mindestens auf 1000 Metern Höhe. Die Ausläufer des Kleinen Kaukasus und das armenische Hochland bestimmen die Landschaftsformen. Etliche Gipfel erreichen eine Höhe von über 3000 Metern, der höchste Berg auf armenischem Territorium ist der 4090 Meter hohe Aragaz, ein ehemaliger Vulkan. Kein Berg ist aber so mit dem armenischen Nationalempfinden verbunden wie der nahe gelegene Ararat.



Er befindet sich auf türkischem Gebiet unweit der türkisch-armenischen Grenze. Hier ist der Ort, wo nach der Bibel Noah mit seiner Arche nach der Sintflut landete. Genau genommen handelt es sich um einen Doppelberg, bestehend aus dem Grossen und dem Kleinen Ararat. Der Gipfel des Grossen Ararat ist 5137 Meter hoch, sein kleiner Bruder bringt es immerhin auf 3896 Meter. Der Blick auf den majestätischen Berg mit seiner schneebedeckten Haube ist überwältigend. Bis weit in armenisches Land hinein ist der Ararat unübersehbar, selbst in der schon entfernter liegenden Hauptstadt Eriwan bildet er eine eindrucksvolle Kulisse für die Millionenmetropole.





Armenische Landschaft (Bild: MEDIACRAT, Wikimedia, GNU)

Armenische Landschaft (Bild: MEDIACRAT, Wikimedia, GNU)

Armenische Identität

Der Ararat ist für Armenier ein Ort der Identität wie der schmerzlichen Erinnerung gleichermassen. In der Zeit des Osmanischen Reiches lag hier das Hauptsiedlungsgebiet des alten Volkes. Der Erste Weltkrieg brachte den Armeniern Vertreibung und Vernichtung – es war eines der ersten grossen Völkerverbrechen des 20. Jahrhunderts. Die Türken befürchteten eine mögliche Allianz zwischen den christlichen Armeniern und den Russen. Seither ist der Ararat nicht mehr Heimat, sondern Sehnsuchts- und Erinnerungsort.

Ebenso wie der Ararat für die Armenier identitätsstiftend ist, ist es auch das Christentum. Armenien gilt als älteste christliche Nation überhaupt. Es war im Jahr 301 n. Chr., als der armenische König Tradt III. das Christentum annahm und zur Staatsreligion erklärte. Der Heilige Gregor der Erleuchter hatte den König bekehrt, nachdem er 13 Jahre gefangen gehalten worden war. Am Ort seiner Gefangenschaft wurde das Kloster Chor Virap errichtet. Es liegt auf einer Anhöhe mit wunderbarem Ararat-Blick und ist eines der wichtigsten Heiligtümer Armeniens. Die Armenisch-Apostolische Kirche hat bis heute grosse Bedeutung im Land.

Antike Ursprünge

Die Geschichte der Armenier ist aber wesentlich älter. Schon antike Quellen erwähnen das Volk – erstmals in einer persischen Inschrift aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Armenien war dabei fast immer Einflüssen mächtigerer Nachbarn ausgesetzt. Im Städtchen Garni erinnert der wiederaufgebaute hellenistisch-römische Tempel an das Vordringen westlicher Kultur in vorchristlicher Zeit. Die Zeiten echter Unabhängigkeit blieben eher die Ausnahme. Als umso wichtiger sollten sich die Armenische Kirche und der christliche Glaube erweisen.

hellenistisch-römischer Tempel in Garni (Bild: Yakovlev Sergey, Wikimedia)

hellenistisch-römischer Tempel in Garni (Bild: Yakovlev Sergey, Wikimedia)

Christliche Zeugnisse

Neben Chor Virap gibt es noch andere bedeutende Glaubenszentren im Land. Kloster Geghard in der östlich von Eriwan gelegenen Provinz Kotajk ist solch ein Zentrum. Das Kloster, das sich in eine Felswand an einem Taleingang hineinzwängt, ist nach Zerstörung im 13. Jahrhundert neu entstanden. Es gehört seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein schönes Zeugnis armenischer sakraler Architektur.

Das gilt auch für die Kirchen von Etschmiadsin. Die Stadt 20 Kilometer westlich von Eriwan ist so etwas wie der armenische Vatikan. Hier residiert der Katholikos aller Armenier, das Oberhaupt der armenischen Kirche. Dementsprechend bietet die Stadt bedeutende Kirchenbauten, allen voran die Kathedrale von Etschmiadsin, die als Ursprungsort des armenischen Christentums gilt. Die Kathedrale ist zusammen mit der Kathedral-Ruine von Swartnoz und den Kirchen Sankt Hripsime, Sankt Gajane sowie Schoghakat ebenfalls seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe.





Kloster Geghard östlich von Eriwan (Bild: Dec53, WIkimedia, CC)

Kloster Geghard östlich von Eriwan (Bild: Dec53, WIkimedia, CC)

Metropole Eriwan

Um sich über die armenische Geschichte und Kultur zu informieren, ist vor allem die Hauptstadt Eriwan ein interessantes Ziel. In der Metropole und ihrer Umgebung lebt fast jeder zweite der rund 3,2 Millionen Armenier. In sowjetischer Zeit wurde Eriwan neu gestaltet, so dass die Stadt relativ wenig historische Bausubstanz zu bieten hat, obwohl sie sehr alt ist. Hier gibt es aber eine Reihe sehenswerter Museen, die sich mit Armenien befassen. Ein besonderer Ort ist das Matenadaran. In der Einrichtung werden rund 17’000 wertvolle armenische Handschriften aufbewahrt. Eriwan ist auch das Ziel von Touristen, die Abwechslung in typischen Grossstadt-Vergnügungen suchen.





Eriwan mit dem Berg Ararat im Hintergrund (Bild: Mcschreck, WIkimedia, CC)

Eriwan mit dem Berg Ararat im Hintergrund (Bild: Mcschreck, WIkimedia, CC)




Rund um den Sewan-See

Wenn Armenien auch kein Meer zu bieten hat, so doch zumindest einen See von beträchtlichen Ausmassen. Der Sewan-See im Osten des Landes ist mit einer Fläche von etwa 940 Quadratkilometern der grösste im Kaukasus und mit einer Höhe von 1900 Metern ein echtes Hochgebirgsgewässer. Früher war er noch grösser, aber durch intensive landwirtschaftliche Bewässerung ist der Wasserspiegel gesunken. Besucher können sich von den weiten Wasserflächen, die von Bergen und einer fruchtbaren Ebene umgeben sind, bezaubern lassen und ihren Träumen nachhängen.

 

Oberstes Bild: Kloster Khor Virap mit dem Berg Ararat im Hintergrund (© MrAndrew47, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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