Das Schwetzinger Schloss – kurfürstliche Sommerträume  

01.06.2015 |  Von  |  Alle Länder
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Das Schwetzinger Schloss – kurfürstliche Sommerträume  
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Wenige Kilometer südlich der Stadt Mannheim im Bundesland Baden-Württemberg breitet sich eine der bekanntesten Schlossanlagen Deutschlands aus – das Schwetzinger Schloss. Vor allem wegen seiner Gärten ist es das Ziel von Besuchern aus aller Welt.

Das Schloss von Schwetzingen diente einst den Kurfürsten von der Pfalz als Sommerresidenz. Sommerliche Leichtigkeit und Beschwingtheit sind noch in vielen Bauten des Parks und darum herum zu spüren. Es war ein Ort fürstlichen Vergnügens.

Mehrfach zerstört und wiederaufgebaut

Dass die Schlossanlage in unterschiedlichen Epochen entstanden ist, lässt sich noch sehr gut erkennen. Der Zentralbau weist ein gänzlich anderes Erscheinungsbild auf als die beiden Zirkelbauten, die sich an den Seiten erstrecken und ein sich zum Park öffnendes Halbrund bilden. Ursprünglich war Schloss Schwetzingen eine im Mittelalter errichtete Wasserburg, die später zum Jagdschloss umgebaut wurde. Gegen Ende des Dreissigjährigen Krieges wurde das Schloss zerstört. Der Kurfürst liess es wieder aufbauen, im Pfälzischen Erbfolgekrieg folgte die erneute Zerstörung – danach ein zweiter Wiederaufbau. Jedes Mal wurden dabei die noch vorhandenen Reste des jeweiligen Vorgängerbaus genutzt.


Plan von Schwetzingen (um 1840) (Bild: © wiki.org)

Plan von Schwetzingen (um 1840) (Bild: © wiki.org)


So wirkt das Kernschloss mit seinen drei Flügeln ein wenig wie ein Sammelsurium unterschiedlicher Baustile – etwas Mittelalter, etwas Renaissance und etwas Barock, der sich hier sehr schlicht zeigt. Trotzdem erscheint der Bau mit seiner in Lachsfarbe gehaltenen Fassade, der symmetrischen Gestaltung und der einheitlichen Dach- und Fensterfronten wie aus einem Guss. Im Unterschied zur Hauptresidenz war die Innenausstattung des Schlosses eher bescheiden, in der Einfachheit konnte der Kurfürst Träumen vom Landleben nachhängen – sie hatten vermutlich wenig mit der Wirklichkeit gemein.

Die Ära der Kurfürsten von der Pfalz

Unverkennbar ein Werk des Barock im Übergang zum Rokoko sind die beiden eingeschossigen Zirkelbauten an den Seiten, die mit ihren hohen Fenstertüren einen unmittelbaren Zugang zum Park bieten. Sie wurden erst Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, während der eigentliche Wiederaufbau des Schlosses bereits einige Jahrzehnte zuvor erfolgt war. Gleichzeitig mit dem Bau der Zirkelbauten wurde auch eine Erweiterung des Parks auf seine heutige Grösse von 70 Hektar vorgenommen. Die Vollendung der Anlage fällt damit in die letzte Blütezeit der kurfürstlichen Herrschaft. Wenige Jahre später sollte im benachbarten Frankreich die Revolution eine grundlegende Umwälzung bringen, die auch das Ende der Kurfürsten-Ära bedeutete.


Unverkennbar ein Werk des Barock sind die beiden eingeschossigen Zirkelbauten. (Bild: © H.E.Knab - shutterstock.com)

Unverkennbar ein Werk des Barock sind die beiden eingeschossigen Zirkelbauten. (Bild: © H.E.Knab – shutterstock.com)


Die Kurfürsten von der Pfalz gehörten zu den mächtigsten Regenten des Heiligen Römischen Reiches. Seit dem Mittelalter trugen die bayerischen Wittelsbacher diese Würde. Sie regierten erst von Heidelberg, später von Mannheim aus, schliesslich auch aus dem fernen Düsseldorf, da sie gleichzeitig Herzöge von Kleve und Berg waren. Im Sommer zog die Hofgesellschaft aus dem nahen Mannheim nach Schwetzingen, um sich bei Aufführungen, Festen und Spielen zu vergnügen. Die Kurfürsten hatten zu diesem Zweck ein eigenes Theater errichten lassen, das Teil des Schlosskomplexes ist und noch heute für Opern- und Schauspielaufführungen genutzt wird. Sein Stil gehört bereits dem frühen Klassizismus an. Einer der berühmtesten Künstler, die hier auftraten, war der junge Mozart.


Einer der berühmtesten Künstler am Schwetzinger Schloss war der junge Mozart. (Bild: © Otto Erich - wiki.org)

Einer der berühmtesten Künstler am Schwetzinger Schloss war der junge Mozart. (Bild: © Otto Erich – wiki.org)


Auch die Zirkelbauten dienten ausschliesslich der Erbauung. Ihre Errichtung war wegen des Platzmangels im Kernschloss notwendig geworden. Hier wurde gespeist, es wurden Konzerte und Bälle gegeben und man konnte ungehindert ins Freie treten.

Französischer und Englischer Garten

Zum Lustwandeln breitete sich vor den Gästen der ausgedehnte Park aus. Er ist immer noch einer der schönsten Beispiele höfischer Gartenarchitektur in Deutschland. Er gliedert sich in einen Französischen und einen Englischen Garten. Der Französische nimmt dabei den grösseren Teil der Fläche ein, während der Englische sich im westlichen und nordwestlichen Teil des Geländes erstreckt. Zu der Gartenanlage gehört auch ein ausgedehnter künstlicher See. Der Park konnte übrigens bereits damals nicht nur von der Hofgesellschaft genutzt werden. Er stand der gesamten Bevölkerung zum kostenlosen Eintritt offen.


Zum Lustwandeln breitete sich vor den Gästen der ausgedehnte Park aus. (Bild: © Harke - wiki.org)

Zum Lustwandeln breitete sich vor den Gästen der ausgedehnte Park aus. (Bild: © Harke – wiki.org)


Der Französische Parkteil folgt ganz den Gestaltungsprinzipien barocker Gartenarchitektur, wie sie in Versailles und vielen anderen Anlagen dieser Zeit zu finden sind. Er beruht auf strengen geometrischen Formen, mit einer Hauptachse, einer Querachse und einem Kreis als wesentlichen Gliederungselementen. Nach Westen hin öffnet sich der Park ins flache Gelände der nahen Rheinauen hin. In der Ferne lässt sich die Kalmit, die höchste Erhebung des Pfälzerwaldes, erahnen. Mittelpunkt des Kreisrundes ist der Arionbrunnen mit seiner Fontäne, der der Ariongeschichte der antiken Mythologie gewidmet ist. Der Englische Garten folgt dagegen den unregelmässigen und geschwungenen Wegen der Natur, obwohl es sich auch hier um eine von Menschen gemachte Anlage handelt. Er ist eine kunstvolle Kombination aus Wiesen, Baum- und Wasserflächen.

Antike Tempel und eine Moschee

Zu den Charakteristika des Schwetzinger Schlossparks gehört die reiche Ausstattung mit Zierbauten und Skulpturen, die sich vor allem auf die Antike beziehen. Auch einige Nutzbauten gibt es, zum Beispiel die schöne Orangerie. Im Zeitalter des Barock begeisterte man sich besonders für griechische und römische Ruinen. Sie durften daher auch in einem Schlosspark wie in Schwetzingen nicht fehlen. Hier wurden sie in Form eines „ruinierten“ Merkur-Tempels und einer römischen Wasserleitung – einer Art Mini-Aquädukt – verwirklicht. Römischen Gottheiten sind auch der Minerva-Tempel und der Apollo-Tempel gewidmet. Ein weiterer Tempel hat die Waldbotanik als Thema.

Einen besonderen Rückzugsort schufen sich die Kurfürsten mit dem sogenannten Badhaus. Es diente nicht nur dem Badebedürfnis des Herrschers, wie der Name vermuten lässt. Hier konnte der Kurfürst sozusagen „privatissime“ vom Hofgetriebe Abstand nehmen. Das Badhaus verfolgte damit einen ähnlichen Zweck wie Petit Trianon in Versailles. Das Gebäude zeigt sich im Stil einer italienischen Villa und ist von einem eigenen Garten, sozusagen einem Park im Park, umgeben. Das kurfürstliche Badezimmer zeugt noch heute von besonderem Komfort und Geschmack.


Einen besonderen Rückzugsort schufen sich die Kurfürsten mit dem sogenannten Badhaus. (Bild: © Helge Volkmar - CC BY-SA 3.0)

Einen besonderen Rückzugsort schufen sich die Kurfürsten mit dem sogenannten Badhaus. (Bild: © Helge Volkmar – CC BY-SA 3.0)


Ganz aus dem Rahmen des sonst auf die Antike angelegten Gartenprogramms fällt die Moschee. Sie ist eine Hommage an die damals typische Orient- und Türken-Mode. Der Bau präsentiert sich in sehr anmutiger Form in Zartrosa mit einem zentralen Kuppelbau und zwei Minaretten und liegt an einem Seitenteil des Sees. Es handelt sich um reine Dekoration. Für religiöse Zwecke war die Moschee nie gedacht. Dafür diente sie als passende Kulisse für Freilicht-Aufführungen mit entsprechendem Inhalt.

Die Schwetzinger Festspiele

Schwetzingen ist aber nicht nur ein Ort zum Sehen, sondern auch zum Hören. Das Schloss und seine Gartenanlagen sind heute Schauplatz der jährlich im Frühjahr und Frühsommer stattfindenden Schwetzinger Festspiele. Es handelt sich um ein überregional bekanntes Festival klassischer Musik, für das es wohl kaum einen besseren Ort geben dürfte. Meist werden dabei zwei Opernproduktionen gezeigt – bevorzugt vergessene Schätze –, daneben klassische und barocke Werke der Kammer- und Orchestermusik.



Beim harmonischen Klang der Töne im Schloss und seinen Gärten wird die Zeit der sommerlichen Vergnügungen in der Kurfürsten-Zeit wieder gegenwärtig, und Schwetzingen verströmt seinen alten Zauber.

 

Oberstes Bild: © clearlens – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.


Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.



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