Guanajuato – Minen, Mumien und Legenden in Mexikos legendärer Silberstadt

04.07.2014 |  Von  |  Alle Länder, Nordamerika
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Guanajuato – Minen, Mumien und Legenden in Mexikos legendärer Silberstadt
5 (100%)
2 Bewertung(en)

Guanajuato ist die Hauptstadt des gleichnamigen mexikanischen Bundesstaates und liegt rund 350 km nordwestlich von Mexico City. Die 73.000-Einwohner-Stadt ist eine der kolonialen Silberstädte, die dem mittleren Norden Mexikos einst immense Reichtümer bescherten.

Mit seinen vielen noch aktiven Minen bietet Guanajuato nicht nur einen lebendigen Einblick in die nordmexikanische Bergbau-Tradition. Die Stadt zählt mit ihrer eindrucksvollen Hügellage auch zu den schönsten Städten des Landes. Farbenfrohe Häuschen ziehen sich an den Hängen Guanajuatos hin, immer wieder unterbrochen von spektakulären Tunnelsystemen und einer Aussicht, die an vielen Stellen weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.

Heute ist Guanajuato ein lebendiges kulturelles Zentrum mit verwinkelten Kopfsteinpflastergassen, bezaubernden Stadtplätzen und einer Fülle von Museen, von denen einige in ihrer Art einmalig sind. Wer nach einem Besuch im Mumienmuseum oder in einer Silbermine etwas Leben um sich braucht, kann auf dem farbenfrohen Stadtmarkt auf Entdeckungstour gehen oder in einer der vielen Terrassenbars den Klängen der Mariachi-Gruppen lauschen.

Altstadtgasse in Guanajuato (© Anders Lagerås / Wikimedia / CC)

Altstadtgasse in Guanajuato (© Anders Lagerås / Wikimedia / CC)

Guanajuato – reiche Silberstadt und koloniales Schmuckstück



Die Stadt Guanajuato verdankt ihre Entstehung den Silberminen, die in der Region im 16. Jahrhundert entdeckt wurde. Der Reichtum der mexikanischen Silberminen war damals legendär und bescherte der spanischen Krone unermessliche Einnahmen. Die ersten Minen, die ab 1548 in Guanajuato entdeckt wurden, produzierten über Jahrhunderte hinweg fast ein Drittel des weltweit geförderten Silbers. Im 18. Jahrhundert war Guanajuato die reichste Stadt in Mexiko und weltweit führend im Silberbergbau.

Aus dieser Blütezeit stammt ein Grossteil der prächtigen Kolonialbauten und Kirchen, die heute das Stadtbild von Guanajuato prägen. Als eine der reichsten Städte der Neuen Welt erhielt Guanajuato opulente barocke Kirchenbauten, die mit dem Gold der örtlichen Minen geschmückt wurden und zu den schönsten ihrer Art auf dem amerikanischen Kontinent zählten.

Plaza del Baratillo (© Vlad Litvinov / Wikimedia / CC)

Plaza del Baratillo (© Vlad Litvinov / Wikimedia / CC)

Guanajuatos koloniale Altstadt



Guanajuatos Stadtbild ist geprägt von gewundenen Gassen, unzähligen Stadttunneln und steilen Aufstiegen. Die Hügellage beschert dem Besucher immer wieder spektakuläre Ausblicke und faszinierende Momente, wenn hinter der nächsten Wegbiegung koloniale Paläste, barocke Kirchen oder farbenfrohe Häuserzeilen auftauchen. Der Autoverkehr ist im Stadtzentrum naturgemäss begrenzt, und so können viele der Kopfsteinpflastergassen und kleinen Plazas ganz in Ruhe entdeckt werden.

Dabei sind die städtischen Legenden und Geschichten allgegenwärtig, etwa im Callejón del Beso, der Gasse des Kusses. Diese Strasse ist so eng, dass sich die gegenüberliegenden Balkone beinahe berühren. Einst soll der Callejón del Beso Schauplatz einer verbotenen Liebesgeschichte gewesen sein, als der mittellose Sohn eines Bergarbeiters seine Geliebte aus einer reichen Familie heimlich auf den Balkonen dieser Gasse traf. Die Legende verspricht allen Paaren sieben Jahre Glück, die sich hier über die Balkone hinweg küssen.

Callejón del Beso (© Cgarciaulsa / Wikimedia / public domain)

Callejón del Beso (© Cgarciaulsa / Wikimedia / public domain)

Keine Legende, sondern die Grundlage des einstigen Reichtums von Guanajuato können Besucher in der Mina La Valenciana kennenlernen. Die grösste Mine der Stadt ist bis heute aktiv und zählte einst zu den reichsten und produktivsten Silberminen der Welt. Beim Rundgang durch die Stollen bietet sich ein authentischer und teils beklemmender Eindruck davon, wie die Arbeit unter der Erde aussieht. Auch die Mine Bocamina de San Ramón zählt zu den ältesten Minen der Stadt und steht Besuchern zur Besichtigung offen.

Schönes und Schauriges in Guanajuatos Museen entdecken



Unter Guanajuatos Museen sticht besonders eines mit seiner schaurigen Sammlung hervor. Im Mumienmuseum von Guanajuato sind mehr als hundert mumifizierte Leichen ausgestellt, die ab 1865 bei der Erweiterung des städtischen Friedhofs entdeckt wurden. Das örtliche Klima und die besondere Mineralzusammensetzung des Bodens hatten verhindert, dass sich die Leichen im Laufe der Jahre zersetzten. Unter den Mumien, die teilweise mit kompletter Kleidung erhalten sind, befinden sich eine Schwangere, eine lebendig begrabene Frau und die kleinste Mumie der Welt, ein mumifizierter Fötus.





Unterirdische Strassenführung in Guanajuato (© Jorge Ibarra / Wikimedia / CC)

Unterirdische Strassenführung in Guanajuato (© Jorge Ibarra / Wikimedia / CC)




Wer sich im Mumienmuseum noch nicht genug gegruselt hat, kann dem Inquisitionsmuseum von Guanajuato einen Besuch abstatten. Folterwerkzeuge, Verliese und Kutten der Folterer erinnern hier an Zeiten, die glücklicherweise längst der Vergangenheit angehören. Fröhlicher geht es im Don-Quijote-Museum zu, während in Mineralienmuseum eine der wertvollsten Mineraliensammlungen weltweit zu sehen ist. Auf keinen Fall verpassen sollten Besucher ausserdem einen Besuch in der Casa Diego Rivera, dem Geburtshaus des berühmten mexikanischen Malers.

Die Tunnel von Guanajuato

Guanajuato ist durchzogen von einem Netz aus Tunneln und Schächten, von denen viele heute als Strassenverbindungen genutzt werden. Nachdem zwei grosse Fluten die Stadt im 18. Jahrhundert fast zerstörten, wurden grosse Tunnelsysteme angelegt, um die Stadt vor weiteren Überflutungen zu bewahren. In den 1960er Jahren beseitigten neue Dammprojekte die Gefahr; die Tunnel wurden jedoch nicht mehr verschlossen. Heute ist die Stadt von einem ganzen Netz aus alten und neuen Tunneln durchzogen, die die Verkehrsführung im hügeligen Stadtgebiet erheblich erleichtern und ausserdem charakteristisch für das Stadtbild von Guanajuato sind.

Wer die Tunnel einmal selbst entdecken möchte, braucht nicht mehr zu tun als einen der städtischen Busse zu nehmen. Die Stadtbusse von Guanajuato nutzen die Tunnel nicht nur auf ihren Routen; auch viele Haltestellen liegen im Inneren der Tunnel. Viele Durchführungen im Stadtzentrum können auch von Fussgängern genutzt werden. Zum Teil sind unter der Erde sogar Strassenkreuzungen zu finden.

 

 

Oberstes Bild: Blick auf die Altstadt von Guanajuato (© AlejandroLinaresGarcia / Wikimedia / CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Andrea Rathjen

Die Agentur belmedia GmbH beliefert die Leserschaft täglich mit interessanten News, spannenden Themen und tollen Tipps aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nahezu jedes Themengebiet deckt die Agentur belmedia mit ihren Online-Portalen ab. Wofür wir das machen? Damit Sie stets gut informiert sind – ob im beruflichen oder privaten Alltag!


Ihr Kommentar zu:

Guanajuato – Minen, Mumien und Legenden in Mexikos legendärer Silberstadt

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.