Matera – Weltkulturerbe in der Basilikata

14.08.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Matera – Weltkulturerbe in der Basilikata
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Die Basilikata ist tiefster italienischer Süden. Zwischen Kalabrien und Apulien liegt diese Region, die zu den ärmeren Regionen Italiens gehört und um die Touristenströme bisher einen Bogen gemacht haben. Sie hat daher noch viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt.

Vor allem von Individualtouristen ist die Basilikata in den letzten Jahren als Reiseziel entdeckt worden. Dazu hat nicht nur ihre abwechslungsreiche Landschaft beigetragen – es gibt hier fast alpine Berglandschaften wie die lukanischen Dolomiten oder das Pollino-Massiv im Nationalpark Pollino. Auch sehenswerte Orte hat die Basilikata zu bieten. Dazu gehört ganz sicher Matera.

Stadt der Sassi

Matera liegt etwa eine Autostunde südwestlich von Bari in der östlichen Basilikata und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Rund 60’000 Menschen leben hier. Matera weist eine malerische Lage am Rande einer Schlucht auf und ist bereits seit Jahrtausenden besiedelt. Die Stadt bildet damit eine der ältesten Siedlungen Italiens überhaupt. Was Matera so besonders macht, sind die Sassi genannten Höhlensiedlungen der Altstadt, die seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Matera – Stadt der Sassi (Bild: vic15, Wikimedia, CC)

Matera – Stadt der Sassi (Bild: vic15, Wikimedia, CC)




Das weiche Tuffgestein der Region bot bereits vor Urzeiten ideale Voraussetzungen, um Höhlen anzulegen. Damit waren hier ähnliche geologische Voraussetzungen für eine menschliche Nutzung gegeben wie zum Beispiel in Kappadokien in der Türkei. Ursprünglich wurden zunächst vorhandene natürliche Höhlen zum Wohnen verwandt. Später wurden diese Höhlen dann erweitert und auch mit Vorbauten versehen. So entstand im Lauf der Jahrhunderte eine ganze Stadt aus Höhlenhäusern auf mehreren Ebenen, die Matera heute so einzigartig machen.



Ganze Kirchen, Kapellen und Klöster wurden neben Wohnungen in das Felsgestein hineingegraben. Die meisten von ihnen sind im Hochmittelalter entstanden und zeigen zum Teil noch alte Fresken – auch das ist eine Parallele zu den Felskirchen Kappadokiens. Hier lebten einst viele Mönche. Insgesamt bietet die Altstadt von Matera einen verwirrenden Komplex von Gassen, Treppen und Höhlenbauten, der sich fast ungeordnet an den Hängen der Schlucht ausbreitet.

Restauriertes Höhlenhaus – Innenansicht (Bild: Airin, Wikimedia, CC)

Restauriertes Höhlenhaus – Innenansicht (Bild: Airin, Wikimedia, CC)

Einst verpönt – heute wieder begehrt



Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebten hier rund 15’000 Menschen – zum Teil unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen. Lange galten die Höhlenwohnungen als eine nationale Schande und ein Zeichen übergrosser Armut. Daher wurden die Bewohner schliesslich umgesiedelt und die Altstadt verfiel. Erst später entdeckte man den historischen und kulturellen Wert der Siedlung und kümmerte sich um ihren Erhalt. Die Ernennung zum Weltkulturerbe bildete hierfür einen wichtigen Impuls.

Felsenwohnung Casa Grotta in Matera (Bild: Hajotthu, WIkimedia, GNU)

Felsenwohnung Casa Grotta in Matera (Bild: Hajotthu, WIkimedia, GNU)




Heute sind die Höhlen zum Teil wieder begehrt. Sie bieten Raum für Szenewohnungen, Restaurants, Hotels und Bars. In der sogenannten Casa Grotta ist ein Museum eingerichtet worden, das noch eine Vorstellung vom ursprünglichen Leben in einer Höhle vermittelt. Die urtümliche Höhlenwelt von Matera bildete in den letzten Jahrzehnten eine beliebte und bevorzugte Filmkulisse für Werke, die sich mit biblischen und neutestamentarischen Themen befassen. So wurde hier ein Grossteil der Aussenszenen von Mel Gibsons ‚Passion Christi‘ gedreht – nur ein Beispiel unter vielen.

Restaurant in Matera (Bild: Mac9, Wikimedia, CC)

Restaurant in Matera (Bild: Mac9, Wikimedia, CC)

Von Matera zum Golf von Tarent



Auch ausserhalb der Sassi hat Matera Sehenswertes zu bieten: die mächtige Festung Castello Tramontano aus dem 16. Jahrhundert, die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und einige barocke Kirchenbauten im Bereich der Stadt. Im nahen Parco della Murgia Materana lässt sich die typische Karstlandschaft der Gegend erleben, die die geologische Voraussetzung für die Höhlenbildung geschaffen hat.

Von Matera aus erreicht man übrigens gut den nahen Golf von Tarent am Ionischen Meer. Hier gibt es ausgezeichnete Strände und Bademöglichkeiten, zum Beispiel im Badeort Policoro – ein schöner Kontrast zum Besuch in Matera.

 

Oberstes Bild: Matera in der süditalienischen Basilikata (Tango7174, WIkimedia, GNU)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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