Sizilien, Teil 5: Syrakus – die schöne Stadt der Dichter und Mathematiker

24.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Sizilien, Teil 5: Syrakus – die schöne Stadt der Dichter und Mathematiker
1 (20%)
1 Bewertung(en)

Syrakus, die einstige Weltmetropole, wurde von Marcus Tullius Cicero als „die grösste und schönste aller griechischen Städte“ besungen. Mit jedem neuen Herrscher über die Jahrtausende änderte dich auch das Gesicht der legendären Stadt, so dass sie heute Spuren mehrerer Kulturen beherbergt – vermischt wie bunte kräftige Farben auf der Palette eines Malers.  Diese einzigartige Mischung war der Grund dafür, warum die UNESCO 2005 nicht einzelne Denkmäler, sondern die ganze Stadt Syrakus zum Weltkulturerbe erklärte.

Eigentlich gibt es zwei Syrakuse: das Syrakus auf dem Festland und die Insel Ortigia, getrennt voneinander durch eine enge Seedurchfahrt und verbunden über die Brücke Ponte Nuovo. Die 40 Hektar grosse Insel Ortigia ist der eigentliche Geburtsort von Syrakus. Ihre reiche Süsswasserquelle und günstige strategische Lage waren das Erfolgsrezept von Syrakus in vielen Auseinandersetzungen in ihrer langen Geschichte. Vor dem Porto Grande im Süden der Insel, wo heute grosse Mittelmeerfähren und Frachtschiffe anlegen, fand zum Beispiel 413 vor Christus die legendäre Seeschlacht gegen Athen statt, aus der Syrakus als eindeutiger Sieger hervorging.

Dies ist ein Reisebericht über Sizilien in mehreren Teilen:

Teil 1: Sizilien – Palermo, sizilianische Hauptstadt früher und heute



Teil 2: Sizilien – die Überraschungen der verführerischen Insel

Teil 3: Sizilien – Agrigent, unterwegs im Tal der Tempel

Teil 4: Sizilien – Die Entdeckungen im Süden der Insel



Teil 5: Sizilien – Syrakus, die schöne Stadt der Dichter und Mathematiker



Teil 6: Sizilien – Die Schätze von Taormina

Teil 7: Sizilien – Unterwegs in Catania im Schatten von Ätna

Die ersten Siedlungen in der Gegend von Syrakus werden auf  1´400 vor Christus datiert. Doch es waren die Griechen, die als erste die äusserst günstige Lage von Ortigia erkannt haben: Als Insel genoss man einen unnachahmlichen natürlichen Schutz und die reiche Wasserquelle war für den Fall der Belagerung ein richtiges Überlebens-Ass.

Süsswasserquelle Fonte Aretusa auf der Insel Ortigia, Syrakus, Sizilien (Bild: Andrea Taverna, Wikimedia, CC)

Süsswasserquelle Fonte Aretusa auf der Insel Ortigia, Syrakus, Sizilien (Bild: Andrea Taverna, Wikimedia, CC)

Wegen der sumpfigen Bodenbeschaffenheit trug die Gegend der heutigen Stadt den Namen „Syrakka“, was „Sumpf“ bedeutet. Deswegen, als die Aussiedler aus dem griechischen Korinth 734 vor Christus auf Ortigia die Stadt gründeten, nannte sie sie Syrakusai.



Unter der Herrschaft der Griechen erlangte die Stadt eine sehr bedeutende Stellung. Viele berühmte Dichter erfreuten durch ihre Kunst den Hof der Stadt, Platon entwickelte hier seine Lehren und Archimedes betrieb hier seine Mathematik und praktische Physik. Die von ihm entworfenen und konstruierten Wurfmaschinen wurden bei der Verteidigung von Syrakus gegen die Römer im zweiten Punischen Krieg eingesetzt. Hier soll er auch mit dem euphorischen „Heureka!“ aus der berühmten Badewanne herausgesprungen sein.

Piazza Archimedes in Syrakus, Sizilien (Bild: vic15, Wikimedia, CC)

Piazza Archimedes in Syrakus, Sizilien (Bild: vic15, Wikimedia, CC)

212 vor Christus bemächtigten sich die Römer der Stadt. Nach dreijähriger Belagerung wurde Syrakus eingenommen. Bei der Plünderung tötete ein römischer Soldat Archimedes, obwohl der Wissenschaftler, der gerade mit einem mathematischen Beweis sehr beschäftigt war, den Soldaten deutlich aufforderte, ihn nicht zu stören. Das ist natürlich Legende.

Nach Römern kamen die Vandalen, dann das Byzantinische Reich. Unter der Herrschaft der Araber, die Sizilien im 9. Jahrhundert eroberten, entwickelte sich die Stadt zum Zentrum des Islam in Italien. Danach bestimmten die Normannen – Habsburger, Staufen, Bourbonen – die Geschichte der Stadt.

Das mächtige Erdbeben von 1693 zerstörte Syrakus vielerorts fast komplett wie auch viele andere Städte im Val di Noto. Der Wiederaufbau erfolgte im Stil des sizilianischen Barock, das bis heute das Gesicht der Stadt prägt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Sizilien offiziell ein Teil von Italien und Syrakus ist seitdem eine wichtige regionale Hauptstadt.

Palazzo Beneventano del Bosco, Sizilien, Syrakus (Bild: Berthold Werner, Wikimedia, CC)

Palazzo Beneventano del Bosco, Sizilien, Syrakus (Bild: Berthold Werner, Wikimedia, CC)

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Altstadt auf Ortigia dem Verfall preisgeben und viele Einwohner verliessen die alten Wohnsitze und siedelten aufs Festland um. In den 90er Jahren fingen umfangreiche Sanierungsarbeiten in der Altstadt an, und heute bezaubert die blankpolierte Ortigia erneut durch ihren barocken Charme.  Fast alle Kirchen und Paläste sind restauriert, obwohl man in den engen Gassen immer noch ab und zu auf Häuser stösst, die zu verfallen drohen und doch durch ihre typischen Balkone, getragen von glücklich lächelnden  Putten und sonstigen phantasmagorischen Gestalten, die Besucher bezaubern.

Unbedingt muss man hier die Fonte Aretusa sehen – die berühmte und legendenumwobene Süsswasserquelle von Syrakus, die nur wenige Meter von der Meeresküste entfernt liegt. Im Herzen der Stadt liegt die Piazza Archimedes, umgeben von barocken Palazzi aus dem 14. bis 16. Jahrhundert: dem Palazzo Lanza, dem Uhrenpalast und dem Palazzo Montalto. Das frühere Benediktinerkloster beherbergt heute das grösste Museum der Stadt. Am Eingang zur Altstadt liegt der Apollotempel aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, der älteste griechische Tempel auf Sizilien. Aus der gleichen Zeit stammt das Teatro Greco im Parco Archeologico della Neapoli auf dem Festland. Im alten Theater gibt es Platz für 15´000 Zuschauer, die von der wundervollen Kulisse regelmässig Gebrauch machen, denn im Sommer finden hier Theateraufführungen und Konzerte statt.





Teatro Greco im Parco Archeologico della Neapoli, Syrakus, Sizilien (Bild: Urban, Wikimedia, CC)

Teatro Greco im Parco Archeologico della Neapoli, Syrakus, Sizilien (Bild: Urban, Wikimedia, CC)

Ob einheimisch oder nur zu Gast hier, keiner kann dem Zauber von Syrakus engehen: Besonders am Abend füllen fröhliche, fein gekleidete Menschen Strassen, Plätze und Promenaden mit dem unnachahmlichen süditalienischen Lebensgefühl – dem gusto por la vita.

 

Oberstes Bild: Syrakus und die Insel Ortigia (Bild: I fratelli Angelo e Giorgio Bonomo, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



Trackbacks

  1. Sizilien, Teil 2: Die Überraschungen der verführerischen Insel › reiseziele.ch
  2. Sizilien, Teil 1: Palermo – sizilianische Hauptstadt früher und heute › reiseziele.ch
  3. Sizilien, Teil 3: Agrigent – unterwegs im Tal der Tempel › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Sizilien, Teil 5: Syrakus – die schöne Stadt der Dichter und Mathematiker

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.