Winterliches Amsterdam, Teil 2: Der goldene Bogen ganz weiss

07.02.2014 |  Von  |  Europa, Niederlande
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Winterliches Amsterdam, Teil 2: Der goldene Bogen ganz weiss
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Man braucht nur wenige Minuten, um durch die Gasse Heisteeg zum berühmten Amsterdamer Grachtengürtel zu gelangen. Diese urbanistische Erweiterung wurde im 16. und 17. Jahrhundert ausgeführt: Um das mittelalterliche Stadtzentrum wurde ein Netzwerk aus konzentrischen schiffbaren Wasserstrassen geschaffen. So entstanden Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht.

Auf ihren Ufern streckten sich die Häuser der Geschäftsleute in die Höhe. Die Grachten kommunizierten durch die Quersträsschen, auf denen damals zahlreiche Handelsläden und Werkstätte entstanden waren. Heute sind sie als Negen Straatjes (die neuen Strässchen) bekannt und beherbergen eine unüberschaubare Zahl an ungewöhnlichen Läden und gemütlichen Cafés, die an einem Wintertag zu einer warmen Pause nur so einladen.

Dies ist ein Reisebericht über Amsterdam im Winter in zwei Teilen:



1. Teil: Winterliches Amsterdam: Der goldene Bogen ganz weiss



2. Teil: Winterliches Amsterdam: Ein Spaziergang durch die verschneiten Strassen

Eine weitere Überraschung von Amsterdam stellen die Innengärten der Kanalhäuser dar. In Wirklichkeit verdankt man ihre Entstehung einer unpopulären administrativen Regelung, als der Stadtrat den Hauskauf nur dann genehmigte, wenn die Hälfte vom Grundstück für den Garten bestimmt war. Viele Touristen kommen nach Amsterdam, um diese Innengärten während der Open Tuinen Dagen (Tage der offenen Gärten) zu besuchen, aber der öffentliche Zugang zu vielen von ihnen ist ganzjährig möglich, wie, zum Beispiel, im Museum Het Grachtenhuis, (Herengracht 586), im Bijbels Museum (Biblisches Museum Amsterdam) (Herengracht 366-368), oder im Museum für Fotografie Huis de Marseille (Keizergracht 401). Unternähme man an einem Morgen einen Spaziergang entlang des Flusses Amstel, würde man gleich merken, dass diese Innengärten in erster Linie die Schönheit der Natur in der Amsterdamer Umgebung wiedergeben wollen.

Innengartem im Geelvinck-Hinlopenhuis (Bild: T. Tichelaar, Wikimedia)

Innengartem im Geelvinck-Hinlopenhuis (Bild: T. Tichelaar, Wikimedia)

Der herrschaftlichste Teil des Grachtengürtels heisst Gouden Bocht (der Goldene Bogen), der sich entlang der Herengracht befindet. 1663, als der Kanal nur bis zu dem Punkt reichte, wo heutzutage die Leidsegracht verläuft, setzte sich unter den reichen Geschäftsleuten der Trend durch, doppelte Grundstücke zu kaufen, um dort ihre Paläste zu errichten. So entstanden hier die wunderschönen Häuser, von denen die Fassaden der Häuser 475 und 476 zu den schönsten gehören. In der Gegenwart ist der Goldene Bogen der beliebteste Sitz der Banken und Prestigefirmen. In der Herengracht 446 kann man zum Beispiel das imposante Gebäude sehen, wo heute der Sitz von Viktor & Rolf, Designer von Weltrang, ist.

Amsterdamer Sitz von Viktor&Rolf in der Herengracht 446 (Bild: Taks, Wikimedia, CC)

Amsterdamer Sitz von Viktor&Rolf in der Herengracht 446 (Bild: Taks, Wikimedia, CC)

Der Goldene Bogen wird durch die Nieuwe Spigelstraat, wo sich im 19. Jahrhundert viele Antiquare niederliessen und die direkt zum Rijksmuseum führt,  zweigeteilt. Von hier lassen sich die Gemeinsamkeiten zwischen diesem weltberühmten Museum und dem Hauptbahnhof schön beobachten. Beide Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert gehören zum Werk des Architekten Pierre Cuypers. Wenn man durch das Hauptgebäude des Museums läuft, gelangt man zum Museumplein (Museumsplatz). Die Nieuwe Spigelstraat ist ein kurioser Ort, überfüllt mit Fussgängern und Fahrradfahrern, deren Route in den Stadtteil Oud-Zuid über das Museumsgelände verläuft. Während der umfangreichen Restaurierungsarbeiten von 2003 bis 2013 nach Plänen der spanischen Architekten Cruz und Oriz wollte man die Radverkehrsroute um das Museum herum verlegen, doch diese Pläne brachten dermassen heftige Proteste seitens der Radfahrer mit sich, dass schliesslich eine Durchfahrt für Fussgänger und Fahrradfahrer in das Gebäude integriert wurde.

Museumplein ist einer der grössten Plätze in Amsterdam und wurde nach den Museen benannt, die sich um den Platz befinden: Stedelijk Museum, Van Gogh Museum, Diamantenmuseum Amsterdam und Rijksmuseum sowie das Konzerthaus Concert Gebouw. Das ganze Jahr über ist Museumplein der Ort zahlreicher Veranstaltungen, aber in der kalten Jahreszeit hat er einen besonderen Zauber: Im Winter wird der Brunnen des Platzes in eine Schlittschuhfläche umgewandelt, was begeisterte Schlittschuhfahrer aus der ganzen Stadt anzieht.





Schlittschuhfläche am Museumplein im Winter (Bild: SanderK, Wikimedia, CC)

Schlittschuhfläche am Museumplein im Winter (Bild: SanderK, Wikimedia, CC)

Einen modernen Kontrapunkt zu den alten Gebäuden aus rotem Backstein bilden das Van Gogh Museum und Stedelijk – das Museum der modernen Kunst, das nach sehr langen und mühsamen Umbauarbeiten im September 2012 endlich wiedereröffnet wurde. Wegen seiner eigenartigen Form nennen die Amsterdamer den neuen Ergänzungsbau scherzhaft „die Badewanne“.





Ergänzungsbau vom Stedelijk Museum in Amsterdam (Bild: Editør, Wikimedia, CC)

Ergänzungsbau vom Stedelijk Museum in Amsterdam (Bild: Editør, Wikimedia, CC)

Hier kann man ausserdem das luxuriöse Hotel „Conservatorium“, das frühere Musikkonservatorium, bestaunen,  das vor kurzem auch gründlich renoviert wurde und in seiner neuen Struktur viele Glasflächen mit dem traditionellen roten Backstein verbindet. Im Conservatorium Hotel Amsterdam quartieren sich oft berühmte Schauspieler, Prominente und Fussballspieler ein.



Um den Spaziergang zu einem schönen Ende zu bringen, lohnt es sich die Strasse Van Eeghenstraat in die Richtung der grünen Lunge von Amsterdam – dem Vondelpark – entlang zu laufen. Das Het Blauwe Theehuis (das blaue Teehaus) in der Nähe von einem der Eingänge in den Park ist der perfekte Ort, um sich mit einer Tasse leckerer heisser Schokolade aufzuwärmen und von der nächsten Reise nach Amsterdam zu träumen.

 

Oberstes Bild: Herengracht, Amsterdam im Winter (Bild: Matthias v.d. Elbe, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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