Sigiriya – auf dem Löwenfelsen im Herzen Sri Lankas

19.05.2015 |  Von  |  Asien
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Sigiriya – auf dem Löwenfelsen im Herzen Sri Lankas
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Mitten in Sri Lanka liegt ein einzigartiges Kulturdenkmal aus der frühen Geschichte der Landes, der Felsen Sigiriya.

Die Ruinen auf dem Monolithen gehören zusammen mit den umgebenden Gartenanlagen und den Überbleibseln einer ausgedehnten Stadt seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sigiriya ist eines der meistbesuchten Ziele auf der Insel im Indischen Ozean.

Die Bezeichnung „Sigiriya“ ist auf die singalesischen Worte „Siha Giri“ zurückzuführen, was so viel wie „Löwenfelsen“ bedeutet. Der Löwe als mythisches Tier wird seit jeher von Regenten in vielen Ländern der Erde als Symbol der Macht und Grösse genutzt. Nicht anders war es in Sigiriya.

Festung und Palast auf einem Vulkanfelsen

Der Löwenfelsen ist ein geologisches Unikum. Er bildet einen fast zweihundert Meter hohen, senkrecht aufragenden Block mit einem Gipfelplateau, der sich mitten in einer weiten Ebene im Zentrum von Sri Lanka erhebt. Der nackte, rot-grau-braune Fels zeigt einen schroffen Kontrast zum Grün der Baumkronen im Umfeld. Es handelt sich um Magmagestein – das Einzige, was von einem durch die Erosion abgetragenen früheren Vulkan in der Gegend übrig geblieben ist.

Diese herausragende Position mit ausgezeichneter Übersicht von der Höhe aus prädestinierte den Löwenfelsen geradezu als Standort für eine Befestigung. Das erkannte auch der Herrscher des lokalen Königreichs Anuradhapura, der hier im 5. Jahrhundert nach Christus ein entsprechendes Bauwerk errichten liess, das beides war – Zitadelle und Palast. Die Anlage bildete gleichzeitig den Mittelpunkt einer neuen Hauptstadt, die rund um den Löwenfelsen entstand.


Der Monolith wird umgeben von einer einst prächtigen Gartenanlagen. (Bild: © Pavelk - shutterstock.com)

Der Monolith wird umgeben von einer einst prächtigen Gartenanlagen. (Bild: © Pavelk – shutterstock.com)


Drama um Vatermord und Bruderrache

Kasyapa I. – so der Name des Herrschers – hatte allen Grund, sich auf dem Felsen in Sicherheit zu bringen. Die Geschichte, die sich um seine Person rankt, ist düster und wäre ein idealer Stoff für ein Shakespeare’sches Drama gewesen, hätte sie sich nicht in diesem Teil der Welt zugetragen. Denn der König war nicht rechtmässig an die Macht gelangt, er hatte im Jahre 473 den Thron von seinem Vater, König Dhatusena, usurpiert. Kasyapa war zwar der älteste Sohn des Königs, stammte aber aus der illegitimen Verbindung mit einer Konkubine. Das Recht der Thronfolge besass sein jüngerer Halbbruder Mogallana, seine Mutter war die offizielle Ehefrau Dhatusenas.

Kasyapa liess seinen Vater bei günstiger Gelegenheit verhaften, was ihm gelang, da er vom Kommandanten der königlichen Armee, Migara, bei seiner Palastrevolution unterstützt wurde. Auf eine Intrige Migaras hin verlangte Kasyapa von dem gefangenen Dhatusena vermeintlich versteckte Schätze, die dieser nicht vorweisen konnte. Darauf liess der unrechtmässige König seinen Vater lebendig einmauern. Seither trägt er in Geschichtsbüchern auch den wenig schmeichelhaften Namen „Kasyapa, der Vatermörder“. Seinem Halbbruder Mogallana gelang jedoch die Flucht nach Südindien, wo er ein Heer sammeln konnte.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt musste Kasyapa in ständiger Angst vor Rückkehr und Rache des Bruders leben, Anlass genug, sich auf dem Löwenfelsen zu befestigen. Tatsächlich kehrte Mogallana einige Zeit später mit seinen Truppen zurück. In einer Schlacht in der Ebene von Sigiriya wurde Kasyapas Armee geschlagen und der König beging Selbstmord, indem er sich in sein Schwert stürzte. Mit diesem Ereignis im Jahre 495 endete auch die kurze Blütezeit Sigiriyas als Residenz und Hauptstadt. Der neue König verlegte seinen Sitz wieder in die alte Hauptstadt Anuradhapura.


Etwa auf halber Höhe zum Gipfel befinden sich die noch erhaltene Fresken sogenannter Wolkenmädchen. (Bild: © kaetana - fotolia.com)

Etwa auf halber Höhe zum Gipfel befinden sich die noch erhaltene Fresken sogenannter Wolkenmädchen. (Bild: © kaetana – fotolia.com)


Barbusige Schönheiten in luftiger Höhe

Da die Bauten des Palastes zu einem grossen Teil aus Holz bestanden, sind heute im Wesentlichen nur noch die Grundmauern erhalten. Das tatsächliche Aussehen der Anlage ist daher nur noch zu erahnen, obwohl die vorhandenen Ruinen durchaus beeindrucken. Man gelangte einst auf den Gipfel von einem mittleren Plateau aus durch das Löwentor hindurch. Das Tor bestand aus einem mächtigen Löwenkopf, durch dessen offenes Maul der Besucher schritt, um die letzte Etappe des Aufstiegs über steile Stiegen und Treppen zu bewältigen. Der Löwenkopf, der für den Felsen namensgebend war, existiert nicht mehr. Zu sehen sind noch die beiden Pranken des Tieres mit ihren Krallen.


Man gelangte einst auf den Gipfel von einem mittleren Plateau aus durch das Löwentor hindurch. (Bild: © SurangaSL - shutterstock.com)

Man gelangte einst auf den Gipfel von einem mittleren Plateau aus durch das Löwentor hindurch. (Bild: © SurangaSL – shutterstock.com)


Etwa auf halber Höhe zum Gipfel befinden sich unter einem Felsüberhang noch erhaltene Fresken sogenannter Wolkenmädchen. Zweiundzwanzig barbusige Schönheiten mit üppigem Schmuck und in anmutiger Haltung können hier bewundert werden. Einst zierten hunderte von Fresken die ganze Felsseite. Die mehr als 1500 Jahre alten, nichtsdestotrotz gut erhaltenen Bilder üben auch auf den heutigen Betrachter noch einen erotischen Reiz aus. Der Besucher sollte allerdings keine Höhenangst besitzen, denn die Kunstwerke sind nur über eine luftige Wendetreppe zu erreichen. Unmittelbar davor liegt die „Spiegelwand“, eine weitere Attraktion. Sie wurde einst auf Hochglanz poliert, so dass sich der König darin sehen konnte. Die von vielen Besuchern früherer Jahrhunderte hinterlassenen Graffiti auf der Spiegelwand sind wichtige Zeugnisse singalesischer Schriftkultur und werden systematisch erforscht.

Herausragende Stadtplanung vor 1500 Jahren

Wer schliesslich das Gipfelplateau erklimmt, dem bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Ebene von Sigiriya, eine üppig-grüne Baumlandschaft mit der Provinzhauptstadt Dambulla als Zentrum und schemenhaften Berglandschaften im Hintergrund. Zu Füssen der Zitadelle breiten sich die Überreste von Parks, Lustgärten und der ehemaligen Stadtanlage von Sigiriya aus. Es handelt sich um eines der schönsten Beispiele systematischer Stadtplanung im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende. Die ganze Stadt beruhte auf einem rechteckigen Grundriss, der allerdings nach Osten hin offen ist. Die Nord-, West- und Südseite umgeben Wassergräben, im Südosten wurde ein grosses Wasserreservoir angelegt.


Auf dem Weg zum Gipfelplateau bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Ebene von Sigiriya. (Bild: © murmakova - fotolia.com)

Auf dem Weg zum Gipfelplateau bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Ebene von Sigiriya. (Bild: © murmakova – fotolia.com)


Einst konnte die Stadt durch fünf Tore erreicht werden, von denen das Westtor wohl das prächtigste und dem König vorbehalten war. Auch innerhalb des Stadtbereichs gibt es immer wieder Wasserbassins. Die ganze Anlage ist durch rechteckige geometrische Strukturen mit weitreichender Symmetrie gekennzeichnet, die zum Teil aber auch immer wieder bewusst aufgebrochen wird. Bedenkt man, dass die Stadt nur wenige Jahre existierte, ist es schon erstaunlich, dass innerhalb einer kurzen Zeit eine so ausgedehnte Anlage entstehen konnte.

Goldener Tempel von Dambulla

Wer Sigiriya besucht, sollte nicht versäumen, ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe in der Region zu besuchen: die Höhlentempel von Dambulla. Auch sie sind eng mit der Geschichte des Königreichs Anuradhapura verbunden. Ab dem ersten Jahrhundert vor Christus wurden die ersten Höhlen bei Dambulla in Tempel umgestaltet. Insgesamt entstanden im Lauf der Zeit achtzig buddhistische Gebetsstätten, die zusammen die ausgedehnteste Tempelanlage Sri Lankas bilden. Das Welterbe umfasst den Komplex der fünf grössten Tempel, auch „Goldener Tempel von Dambulla“ genannt. Die Anlagen sind mit wertvollen Malereien, Dutzenden von Buddhastatuen und weiteren Figuren geschmückt.



Wer bei einer Reise nach Sri Lanka die faszinierende Kultur und Vergangenheit des Landes in Südasien kennenlernen will, kommt an den Tempeln von Dambulla und den Ruinen von Sigiriya nicht vorbei.

 

Oberstes Bild: © Melinda Nagy – fotolia.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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