Warum der Standort für kleine Schweizer Flughäfen entscheidend ist
von belmedia Redaktion Airlines Allgemein Alltag Basel-Stadt Bern Familie familie.ch Familienreisen Flug flughafen.ch Flugzeug Magazine Mobilität nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Schweiz Schweiz Städtereisen Themen tourismus.ch Verkehr Zürich Ⳇ Verbreitung
Bei kleinen Flughäfen in der Schweiz entscheidet der Standort oft stärker über Erfolg oder Misserfolg als die Grösse der Anlage. Entscheidend sind Erreichbarkeit, regionale Wirtschaft, Tourismus, verfügbare Flächen und die Nähe zu Bahn, Strasse und grossen Zentren. Ein gut gelegener Regionalflugplatz kann für eine Region deshalb weit mehr sein als nur eine Start- und Landebahn.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bezeichnet Regionalflughäfen als Verkehrsinfrastrukturen von regionaler Bedeutung. Sie dienen insbesondere der Geschäfts-, Touristik- und Arbeitsfliegerei und ergänzen die grossen Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel-Mulhouse. Hinzu kommen Flugschulen, Wartungsbetriebe, Rettungsflüge und Flugsport.
Gerade in der Schweiz ist die Standortfrage besonders anspruchsvoll. Das Land verfügt über ein sehr dichtes Bahn- und Strassennetz, gleichzeitig begrenzen Berge, Siedlungsräume, Lärmschutz und Raumplanung die verfügbaren Flächen. Ein kleiner Flughafen muss deshalb einen klaren regionalen Nutzen bieten, wenn er langfristig bestehen will.
Erreichbarkeit ist der wichtigste Standortfaktor
Ein Regionalflugplatz ist besonders wertvoll, wenn er eine Region schneller erreichbar macht. Das gilt vor allem für Gebiete, die von den Landesflughäfen weiter entfernt liegen oder für Unternehmen, die auf flexible Geschäftsreisen angewiesen sind.
Für einen Betrieb kann es einen grossen Unterschied machen, ob ein Geschäftspartner nach der Landung noch zwei Stunden auf Strasse und Schiene unterwegs ist oder innerhalb weniger Minuten das regionale Wirtschaftszentrum erreicht.
Genau deshalb befinden sich verschiedene Schweizer Regionalflugplätze in unmittelbarer Nähe bedeutender Wirtschafts- oder Tourismusregionen. Bern-Belp erschliesst den Raum der Bundesstadt, Lugano-Agno das Tessin, Sion das Wallis und St. Gallen-Altenrhein die Ostschweiz sowie den angrenzenden Bodenseeraum.
Ein kleiner Flughafen braucht keine Millionen Passagiere
Der Nutzen eines Regionalflugplatzes lässt sich nicht allein an Passagierzahlen messen.
Business Aviation, Pilotenausbildung, Flugzeugunterhalt, Rettungsflüge und Arbeitsfliegerei benötigen ebenfalls Infrastruktur. Dazu kommen touristische Verbindungen und teilweise Linien- oder Charterverkehr.
Das zeigt beispielsweise der Regionalflugplatz Birrfeld im Aargau. Dort stehen nicht grosse Linienflugzeuge im Mittelpunkt, sondern Ausbildung, Flugsport, Unterhalt, Geschäftsreisen und weitere Bereiche der Allgemeinen Luftfahrt.
Ein kleiner Flugplatz kann deshalb regional wichtig sein, obwohl dort nur ein Bruchteil der Passagierzahlen eines Landesflughafens abgefertigt wird.
Die Konkurrenz durch die Bahn ist in der Schweiz besonders gross
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Ländern ist das Schweizer Bahnnetz.
Zwischen den grossen Städten bestehen schnelle und häufige Zugverbindungen. Für klassische Inlandflüge gibt es deshalb nur einen begrenzten Markt. Ein Flug von einer Schweizer Region nach Zürich muss nicht nur die reine Flugzeit schlagen, sondern auch Check-in, Sicherheitskontrolle, Transfer und Anreise berücksichtigen.
Für Regionalflughäfen bedeutet das: Ihre Stärke liegt meist nicht in der Konkurrenz zur Bahn auf kurzen Strecken, sondern in Verbindungen, bei denen das Flugzeug tatsächlich einen deutlichen Zeitgewinn bietet.
Das können internationale Geschäftsreisen, touristische Direktverbindungen oder Spezialflüge sein.
Wirtschaft und Tourismus können den Unterschied machen
Ein Standort funktioniert besonders gut, wenn sich rund um den Flughafen eine ausreichend starke Nachfrage befindet.
International tätige Unternehmen erzeugen Geschäftsreiseverkehr. Touristische Regionen können saisonale Nachfrage schaffen. Flugschulen und Wartungsunternehmen wiederum sorgen für eine gleichmässigere Nutzung der Infrastruktur.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt insgesamt ist für die Schweiz erheblich. Eine im Auftrag des BAZL erstellte Studie beziffert die direkte Wertschöpfung der Schweizer Zivilluftfahrt für 2024 auf 9,8 Milliarden Franken. Unter Einbezug indirekter und weiterer Effekte wurden 24,8 Milliarden Franken ausgewiesen.
Diese Zahlen beziehen sich vor allem auf das gesamte Luftfahrtsystem und dürfen nicht direkt auf einen einzelnen Regionalflugplatz übertragen werden. Sie zeigen aber, wie stark gute Erreichbarkeit und internationale Vernetzung mit der Standortqualität zusammenhängen.
Zu nahe an Wohngebieten wird zum Problem
Was wirtschaftlich ideal erscheint, kann raumplanerisch schwierig sein.
Ein Flugplatz sollte möglichst nahe an seinem Einzugsgebiet liegen, gleichzeitig verursacht Flugbetrieb Lärm und benötigt grosse Sicherheitsflächen. Start- und Landebahnen lassen sich zudem nicht beliebig ausrichten.
Gebäude, Gelände, Naturschutzgebiete und bestehende Siedlungen begrenzen die Möglichkeiten zusätzlich. Gerade in dicht besiedelten Schweizer Regionen entsteht deshalb ein dauernder Zielkonflikt zwischen guter Erreichbarkeit und möglichst geringen Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Bei bestehenden Flugplätzen spielt auch die langfristige Raumplanung eine zentrale Rolle. Neue Wohnquartiere in unmittelbarer Nähe können spätere Nutzungskonflikte verschärfen.
Auch Strasse und öffentlicher Verkehr müssen passen
Ein Flughafen ist nur so gut erreichbar wie seine Verbindungen am Boden.
Bei grossen Flughäfen ist das offensichtlich: Zürich besitzt einen eigenen Bahnhof und direkte Anschlüsse an Fernverkehr, S-Bahn, Bus und Autobahn.
Bei kleineren Flughäfen kann schon eine gute Busverbindung oder die Nähe zu einer Autobahn entscheidend sein. Fehlt eine schnelle Verbindung zum eigentlichen Zielgebiet, geht ein grosser Teil des Zeitvorteils des Flugzeugs wieder verloren.
Der ideale Regionalflughafen liegt deshalb nicht einfach irgendwo mit genügend freier Fläche. Er muss in ein funktionierendes Verkehrsnetz eingebunden sein.
Der Standort entscheidet über die Aufgabe des Flughafens
Nicht jeder Schweizer Regionalflugplatz muss dieselbe Funktion erfüllen.
Samedan besitzt durch das Engadin ein stark touristisch geprägtes Umfeld. Grenchen ist eng mit Ausbildung und General Aviation verbunden. Lugano hat eine andere geografische Ausgangslage als Birrfeld oder Lausanne.
Genau darin liegt die Besonderheit des Schweizer Flugplatznetzes. Die kleineren Standorte ergänzen die drei Landesflughäfen, statt sie einfach in kleinerer Form zu kopieren.
Ein erfolgreicher Regionalflugplatz braucht deshalb vor allem eines: eine Aufgabe, die zu seiner Region passt.
- Kurze Wege zu regionalen Wirtschafts- oder Tourismuszentren.
- Gute Anbindung an Strasse und möglichst auch öffentlichen Verkehr.
- Ausreichend Abstand zu dicht besiedelten Gebieten und genügend Raum für einen sicheren Betrieb.
- Eine klare regionale Aufgabe, etwa Geschäftsfliegerei, Tourismus, Ausbildung, Rettung oder Flugsport.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert