Benares – „heilige“ Stadt an den Ufern des Ganges

13.10.2014 |  Von  |  Alle Länder, Asien
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Benares – „heilige“ Stadt an den Ufern des Ganges
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Benares gilt als eine der ältesten Städte Indiens und als heiligster Ort der Hindus. Die Millionenmetropole an den Ufern des Ganges ist so etwas wie die spirituelle Kapitale des Landes. Nirgendwo ist man der geistigen und religiösen Vorstellungswelt der Inder näher als hier.

Jedes Jahr besuchen über drei Millionen Pilger die heilige Stadt im nördlichen Indien, hinzu kommen gut 200’000 ausländische Touristen. Benares ist ein Menschengewimmel und ein Gemisch unterschiedlicher Völker und Kulturen. Dennoch ist das Zusammenleben ganz überwiegend friedlich und harmonisch.

Heilige Kuh auf dem Hauptmarkt von Benares (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)

„Heilige“ Kuh auf dem Hauptmarkt von Benares (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)




Eine vielnamige Metropole

Die Stadt hat viele Namen. Benares war die offizielle Bezeichnung in der britischen Kolonialzeit und wird auch heute umgangssprachlich gerne verwandt. Varanasi ist dagegen der offizielle Name der Metropole, in historischen Quellen wird sie oft auch Kashi genannt. Daneben existieren viele sakrale Beinamen wie Anandavana – Wald der Glückseligkeit – oder Avimukta – die von Shiva nie Verlassene.

Benares hat viele Heiligtümer. Rund 23’000 hinduistische Tempel, Schreine und Gebetsstätten sollen sich auf dem Gebiet der Stadt befinden. Der bedeutendste ist der Vishwanath-Tempel, ein markanter Bau in Flussnähe mit mehreren Türmen, einer davon ganz vergoldet. Daneben gibt es auch etliche Moscheen, denn immerhin fast ein Drittel der 1,2 Millionen Einwohner sind Moslems, die schon seit vielen Generationen hier leben. Die Mehrheit der Menschen sind aber Hindus, die aus unterschiedlichen Volksgruppen stammen. Auch Bengalen, Tamilen und Nepalesen sind darunter.

Dem Ganges zugewandt

Für sie ist der Ganges ein heiliger Fluss. Er stellt die Verkörperung der Göttin Ganga dar. Benares selbst gilt als Stadt des Gottes Shiva Vishwanat – des obersten Herrn der Welt. Hier im Ganges zu baden oder in Varanasi zu sterben und verbrannt zu werden, ist eines der erstrebenswertesten Ziele im Leben der Hindus. Das Bad im Wasser reinigt Seele und Geist, die Verbrennung von Toten und anschliessende Verstreuung der Asche ist nach hinduistischem Glauben ein Weg, aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt auszubrechen.



Seit rund 2500 Jahren ist Benares ein Pilgerziel. Die Ursprünge der Stadt reichen aber noch weiter zurück. Um 1200 v. Chr. wurde sie gegründet. Benares ist damit eine der ältesten ständig bewohnten Metropolen der Welt. Der Ganges gibt der Stadt ihr Gesicht und ist ihre Seele. Die Ufer des Flusses werden von sogenannten Ghats gesäumt, treppenförmigen Badeplätzen, an denen die Pilger in den Fluss steigen. Über fünf Kilometer Länge erstrecken sie sich am Ganges-Ufer.

Hinduistischer Priester begrüsst die aufgehende Sonne am Ganges-Ufer. (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)

Hinduistischer Priester begrüsst die aufgehende Sonne am Ganges-Ufer. (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)

Uferplätze mit mystischer Atmosphäre

Mindestens 84 Ghats gibt es. Jedes von ihnen hat einen eigenen Namen. Um viele ranken sich besondere Mythen und Legenden. Die von Pilgern heute am meisten besuchten Plätze sind das Dashwamedha- und Manikarnik-Ghat. Oft stehen kleine Tempel an den Ghats, grössere Tempelbauten bilden den imposanten Hintergrund vieler Plätze. Sie verleihen der Fluss-Seite von Benares ihr charakteristisches Bild. Dahinter verliert sich das enge Gassengewirr der Altstadt. Die meisten der heute zu sehenden Bauten reichen nicht weiter als ins 18. Jahrhundert zurück. Denn mehrfach in seiner Geschichte wurde Benares vollständig zerstört.

Die religiösen Rituale der Pilger zu erleben, macht die eigentliche Faszination eines Benares-Besuchs aus. Tagtäglich strömen Tausende Menschen hierher, um im Fluss zu baden und sich zu reinigen. Unzählige Blumen, Girlanden und flackernde Öllichter auf Schälchen treiben dann auf dem Strom. Oft sind sie mit Bitten der Gläubigen und persönlichen Anliegen verbunden. Viele Handlungen vollziehen sich nach festgelegten Ritualen. Und wenn sich die menschlichen Stimmen mit dem Klang der Glocken aus den nahen Tempeln und Schreinen mischen, wird sich auch der aufgeklärte Europäer, der mit den Glaubensvorstellungen des Hinduismus nicht vertraut ist, der mystischen Atmosphäre des Ortes nicht entziehen können.





Dashashwamedha ghat am Ganges, Varanasi (Bild: FlickreviewR, Wikimedia, CC)

Dashashwamedha ghat am Ganges, Varanasi (Bild: FlickreviewR, Wikimedia, CC)




Orientalisches Gassengewirr

Das bunte und malerische Bild, das sich dem Besucher am Flussufer bietet, erinnert fast an ein orientalisches Märchen – fremd, verwirrend und betörend zugleich. Das reale Leben spielt sich in den Gassen hinter der Uferfront ab. Sie sind eng und bieten oft gerade genug Platz für Fussgänger. Dementsprechend drängen sich hier die Menschen – und Tiere. Denn wie überall in Indien gehören auch sie zum Bild der Innenstadt. Je weiter man sich von den Ufern entfernt, umso mehr taucht man in den chaotischen Verkehr und das turbulente Alltagstreiben des modernen Benares mit seinen zahllosen fliegenden Händlern und quirligen Menschenmassen ein – ein starker Kontrast zu der spirituellen und weltabgewandten Stimmung am Strom.

Auf den Strassen von Benares (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)

Auf den Strassen von Benares (Bild: Jorge Royan, Wikimedia, CC)




Wie keine andere Stadt Indiens steht Benares für die Gegensätze des Riesenlandes. Alte religiöse Überlieferungen und modernes Leben, zeitlose Spiritualität und materielle Gegenwartsorientierung, meditative Ruhe und laute Alltagshektik, Leben und Tod, Reiche und Arme finden sich hier auf engem Raum nebeneinander – ein Panorama menschlichen Daseins.

 

Oberstes Bild: Munshi Ghat am Ganges in Varanasi (Bild: Marcin Białek, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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