Chilenisches Patagonien, Teil 2: Puerto Natales – die Schwelle zu den Anden

13.03.2014 |  Von  |  Alle Länder, Südamerika
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Chilenisches Patagonien, Teil 2: Puerto Natales – die Schwelle zu den Anden
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Puerto Natales ist ein schöner Haltepunkt auf der Reise zum Nationalpark Tores del Paine, ab dem die Landschaft beginnt, in die Höhe zu ragen, bis sie sich in eine echte Präambel der verschneiten Berge verwandelt. Puerto Natales,  in der Vergangenheit ein Fischerdorf, ist heute eine gemütliche, beschauliche und farbenreiche Siedlung, die sich als bester Startpunkt für die Reisen durch die schönsten Gegenden des chilenischen Patagoniens etabliert hat.

Auf dem Weg in den Nationalpark Tores del Paine (ca. 24 Kilometer von Puerto Natales entfernt) liegt Cueva del Milodon, ein chilenisches Nationalmonument. Es handelt sich um eine gigantische Höhle, die vor vielen Jahrtausenden vom Mylodon, dem prähistorischen Riesenfaultier bewohnt wurde. Eine 2 Meter hohe Skulptur im vorderen Teil der Höhle zeigt den vorgeschichtlichen Giganten in Originalgrösse.

Dies ist ein Reisebericht über Patagonien in drei Teilen:

Teil 1: Chilenisches Patagonien: Auf der Suche nach Abenteuern

Teil 2: Chilenisches Patagonien: Puerto Natales – die Schwelle zu den Anden



Teil 3: Chilenisches Patagonien: Unterwegs im Nationalpark Torres del Paine

Mylodon – prähistorisches Riesenfaultier (Bild: Dan Lundberg, Wikimedia, CC)

Mylodon – prähistorisches Riesenfaultier (Bild: Dan Lundberg, Wikimedia, CC)

Ganz besonders wird man beeindruckt, wenn man von innen im Gegenlicht den Eingang zur Höhle, ein schönes langgestrecktes Oval, beobachtet, und sich die Zeiten vorstellt, als da draussen die Ureinwohner Patagoniens auf die Jagd gingen.

Eingang zur Mylodon-Höhle (Bild: Remi Jouan, Wikimedia, CC)

Eingang zur Mylodon-Höhle (Bild: Remi Jouan, Wikimedia, CC)




Apropos, genau wegen ihnen bekam diese Gegend ihren Namen: „Patagonien“ stammt vom Wort „patagón“, das Magellan benutzte, um die Eingeborenen zu beschreiben, und das „Grossfüsser“ bedeutete. In den Augen der kleinwüchsigen Spaniern (1.55 Meter im Durchschnitt) waren die Ureinwohner mit ihrer durchschnittlichen Körpergrösse von 1.80 Metern und den riesigen Fussabdrucken echte Giganten.

Wenn man sich dem Nationalpark nähert, verwandelt sich die patagonische Steppe in ein fast alchemistisches Durcheinander aus Gletschern und Granitfelsen. Die Aussichten über die berühmten Bergspitzen, die fast ganzjährig verschneit und vom Nebel verdeckt sind, die Perspektive, die sich vom See Pehoé öffnet, all das darf auf der Reise nicht fehlen, und ist doch bei Weitem nicht der einzige Grund, dieses unendliche Naturreservat zu besuchen.

Es gibt hier jede Menge Pfade, die sich in der Weite verlieren, und in den Reisenden einen echten Abenteuergeist wecken. Sie verschwinden in den Wäldern und führen zur Schneegrenze hoch oder laufen entlang der Flüsse, bis man zu den Seen kommt, in denen Eisschollen schwimmen. Diese Eischollen spalten sich von den Gletschern ab; das beeindruckendste Schauspiel bietet der See am Gletscher Grey.

Wenn man in der Pampa unterwegs ist, dann erwarten den Wanderer so manche neue Bekanntschaften: Ein Nandu folgt eine Weile lang wie per Zufall dem gleichen Pfad; ein Hase flitzt über den Weg und verschwindet im Gras; ein Fuchs erscheint für einen Moment, um mit seinem prüfenden Blick die Umgebung zu inspizieren; oder ein Guanako, dieses elegante dem Lama ähnliche Tier, kommt neugierig und ohne Angst ganz nah, um die Gäste zu begrüssen und an ihnen nach allen Regeln der tierischen Etikette zu schnüffeln.

Zufälliges Treffen in Patagonien (Bild: magical-world, Wikimedia, CC)

Zufälliges Treffen in Patagonien (Bild: magical-world, Wikimedia, CC)

In Puerto Natales kann man die Fähre nehmen und eine unvergessliche Reise durch den Kanal  Señoret und dann durch den Fjord Ultima Esperanza im Süden des Nationalparks O´Higgins unternehmen. Man sieht die spektakuläre Bucht Ultima Esperanza, aber das eigentliche Reiseziel sind die Gletscher, deren kompakte Form sie so unterschiedlich von den offenen, weitläufigen und ruhigen Gletschern von Argentinien macht. Nach ungefähr zwei Stunden Bootsfahrt, die nicht selten vom Platschen der Kormorane an der Wasseroberfläche oder dem Flug des Kondors in der Höhe begleitet wird, zeigt sich plötzlich das lange hellblaue Band des ungezähmten Gletschers Balmaceda, der zwischen zwei wilden Bergen zu dem See hin seine Zunge ausstreckt, als ob er durstig wäre.

Gletscher Balmaceda in der Nähe des Nationalparks O´Higgins (Bild: Poco a poco, Wikimedia, CC)

Gletscher Balmaceda in der Nähe des Nationalparks O´Higgins (Bild: Poco a poco, Wikimedia, CC)




Nicht selten splittern vom Gletscher grosse Eisstücke ab und fallen ins Wasser. Wenn die Boote entlang des Balmaceda fahren, können die Besucher oft dieses Naturschauspiel beobachten, wie die Eisbrocken in der Nähe des Boots im Wasser landen.

Der zweite Eisgigant, der auf der gleichen Fahrt bewundert werden kann, ist der Gletscher Serrano. Dieser Riese ist weniger jähzornig als sein Bruder und erlaubt, sich bis zu seiner Zungenspitze zu nähern und sogar auf seine Moränen zu steigen um zu beobachten, wie fast unsichtbare Eisbewegungen grosse Felsenbrocken nach unten befördern.

Im Norden vom Nationalpark Torres del Paine an der Küste der Insel Wellington liegt Puerto Eden, ein besiedeltes und gleichzeitig fast abgeschottetes Plätzchen, das nur per Boot erreicht werden kann. Die Siedlung bewahr bis zum heutigen Tag sehr sichtbare Spuren ihrer Ureinwohner – der Kawesqar.





Fischerdorf Puerto Eden in Patagonien (Bild: Jorge Morales Piderit, Wikimedia, CC)

Fischerdorf Puerto Eden in Patagonien (Bild: Jorge Morales Piderit, Wikimedia, CC)




Heute ist Puerto Eden ein Fischerdorf von etwa 200 Menschen, die sich genau wie die Ursiedler dem Sammeln von Meeresmuscheln widmen. Bis heute aber sind unter den Dorfbewohnern etwa zwei Dutzend der Kawesqar-Nachkommen anzutreffen.  Objektiv sind es ganz wenige, und doch die Tatsache allein, dass es immer noch Eingeborene gibt, ist sehr erfreulich, denn die Kawesqar, genau wie andere Ureinwohner Feuerlands, wurden am Anfang des 20. Jahrhundert bei dem Vormarsch der weissen Siedler fast völlig ausgerottet.

 

Oberstes Bild: Landschaft bei Puerto Natales (Bild: Christopher Michel, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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