Knossos – dem Minotaurus auf der Spur

23.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Knossos – dem Minotaurus auf der Spur
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Südöstlich der kretischen Hauptstadt Heraklion liegt Knossos. Die Anlage aus vorchristlicher Zeit gilt als das bedeutendste Zentrum der Minoer, einer bronzezeitlichen Kultur, die vor dem antiken Griechenland Kreta und viele Inseln der Ägäis prägte. Forschern gibt sie nach wie vor zahlreiche Rätsel auf. Den heutigen Betrachter fasziniert sie mit den Überresten antiker Bauten, wunderbaren Wandfresken und interessanten Fundstücken. Wer Kreta nicht nur besucht, um Badefreuden zu geniessen und quirliges Strandvergnügen zu erleben, für den führt an Knossos eigentlich kein Weg vorbei.

Obwohl die Bauten von Knossos schon früher entdeckt wurden, sind die Ausgrabungen doch eng mit dem Namen des englischen Forschers Sir Arthur Evans verbunden. Er erwarb das Grabungsgelände im Jahr 1900 noch von der damaligen osmanischen Regierung und legte die Anlage im Wesentlichen bis 1914 frei. Das war keine leichte Aufgabe, denn immerhin erstreckt sich die Ausgrabungsfläche auf über 20’000 Quadratmeter. Evans beschränkte sich dabei nicht auf Ausgrabungen, sondern rekonstruierte Teile der Anlage. So kommt es, dass der Besucher heute nicht nur Mauerreste sieht, sondern auch wiederaufgebaute Räume, Säulen und Treppenaufgänge.



Sir Arthur Evans auf Knossos (Bild: William Blake Richmond, Wikimedia)

Sir Arthur Evans auf Knossos (Bild: William Blake Richmond, Wikimedia)

Umstrittene Rekonstruktion

In der Wissenschaft sind diese Rekonstruktionen höchst umstritten. Evans wird vorgeworfen, bei seinem Wiederaufbau zu sehr von seiner eigenen Interpretation der Anlage ausgegangen zu sein. Die sieht Knossos vor allem als Königspalast. Dementsprechend führte Evans auch Raumbenennungen ein wie Thronsaal, Badezimmer der Königin oder Zollhaus, die archäologisch nicht hinreichend gesichert sind. Wie man auch immer dazu stehen mag, die wiederhergestellten Räume vermitteln zumindest einen Eindruck, wie die Anlage einmal ausgesehen haben könnte.



Ein Labyrinth

Insgesamt gruppiert sich der Palast um einen rechteckigen Hof, der von einem beeindruckenden Komplex an Räumen umgeben wird. Rund 800 Räume konnten im Rahmen der Ausgrabungen festgestellt werden, man vermutet aber, dass es deutlich mehr, nämlich bis zu 1300 waren. Charakteristisch für die Raumanordnung ist die verwinkelte und verwirrende Anlage. Es gab eine Fülle von Treppen, Durchgängen und Türen. Auch Wände, die bei Bedarf geöffnet und geschlossen werden konnten, waren vorhanden. Diese eigenwillige Architektur hat Archäologen zu der Vermutung veranlasst, Knossos und andere Anlagen dieser Art auf Kreta hätten den griechischen Mythos vom Labyrinth im Zusammenhang mit der Minotaurus-Sage inspiriert.

Am 13. April 1900 bei Ausgrabungen entdeckter „Thronsaal“ von Knossos (Bild: Olaf Tausch, WIkimedia, CC)

Am 13. April 1900 bei Ausgrabungen entdeckter „Thronsaal“ von Knossos (Bild: Olaf Tausch, WIkimedia, CC)

Stierkult und Minotaurus



Der Stier spielte in der minoischen Kultur eine herausragende Rolle. In Knossos gefundene Fresken zeigen Jünglinge und Mädchen beim Stiersprung, wahrscheinlich bei einer rituellen Handlung. Der Minotaurus als mythische Gestalt könnte darauf Bezug nehmen. Manche Forscher sehen in dem „Stiermenschen“ auch einen obersten Priester als Repräsentanten einer Stiergottheit. Die Debatte ist nicht abgeschlossen.

Wertvolle Fresken

Die wieder freigelegten Fresken liefern auf jeden Fall einen eindrücklichen Nachweis minoischer Kunstfertigkeit und Kultur. Die farbenfrohen Darstellungen empfindet auch der heutige Betrachter als ausgesprochen ästhetisch. Sie wirken wie ein Blick in ferne Vergangenheit. Die Blütezeit von Knossos datiert in die Zeit von etwa 1630 bis 1400 v. Chr.





Wandmalerei in Knossos (Bild: Apeto, WIkimedia, CC)

Wandmalerei in Knossos (Bild: Apeto, WIkimedia, CC)

Ökonomisches Zentrum

Die beste Zeit des Palastes lag damit zeitlich nach dem verheerenden Vulkanausbruch auf der Insel Santorin, die auch in Knossos zu schweren Schäden führte. Sie beendete die sogenannte ältere Palastzeit. Dass Knossos dabei mehr als ein Palast oder eine Kultstätte war, darauf weisen auch zahlreiche Funde menschlichen Wirtschaftens hin. Ausgedehnte Werkstätten lagen im Umfeld des Palastes. Es gab umfangreiche Lagerräume, in denen in Phitoi – grossen Gefässen – Wein, Honig, Olivenöl oder Getreide aufbewahrt wurden – typische Güter, um eine grössere Anzahl von Menschen zu versorgen.

Ausgebaute Infrastruktur

Und auch um die Infrastruktur kümmerten sich die alten Kreter schon. Wasserrohre, Zisternen, Toiletten mit Wasserspülung, Sitzbadewannen und Räume mit Warmwasserheizung wurden ebenfalls gefunden. Damit waren die Minoer vielen anderen Völkern ihrer Zeit und auch später voraus.

Pithoi-Töpferei im Palast von Knossos (Bild: Nikater, Wikimedia, GNU)

Pithoi-Töpferei im Palast von Knossos (Bild: Nikater, Wikimedia, GNU)

Rätselhaftes Ende

Ebenso rätselhaft wie das Leben, die Kultur und die Religion der Minoer sind, gibt auch ihr Verschwinden Rätsel auf. Manches deutet darauf hin, dass es nicht zu einem plötzlichen katastrophalen Ende kam, sondern zu einem allmählichen Niedergang. Um 1400 v. Chr. setzte wohl eine verstärkte mykenische Eroberung vom Festland an, die die Minoer zunächst politisch unterwarf und dann auch ihre Kultur und Lebensart verdrängte. Die Minoer gerieten allmählich in Vergessenheit. Was blieb, war die Sage vom Minotaurus und dem Labyrinth.

Mehr Minoisches auf Kreta

Ein Besuch in Knossos ist eine schöne Gelegenheit, dieser ältesten europäischen Hochkultur nachzuspüren. Alleine ist man dabei allerdings nicht, denn die Anlage ist ein beliebtes Besuchsziel. Etwas ruhiger geht es bei den anderen minoischen Anlagen auf Kreta zu – in Phaistos und Malia. Wer sich noch näher mit der minoischen Kultur befassen möchte, für den lohnt ein Besuch im Archäologischen Museum in Heraklion. Das angesehene Institut zeigt eine Fülle von Fundstücken aus den verschiedenen Epochen minoischer Geschichte.



 

Oberstes Bild: Knossos – Rekonstruktion (Fotograf: Apeto / Quelle: photographed by me / CC BY-SA 2.5)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.


Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.



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