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Sizilien, Teil 3: Agrigent – unterwegs im Tal der Tempel

12.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Sizilien, Teil 3: Agrigent – unterwegs im Tal der Tempel
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Zunächst einmal ein Frühstück auf Sizilianisch: natürlich Kaffee – stark, dunkel und aromatisch und Cannoli – ein mit Zitronen-Ricotta-Creme gefülltes Gebäck. Eigentlich kann man diese sizilianische Spezialität in vielen Ausführungen probieren: mit Kakao, Vanille, Schokoladenstückchen oder kandierten Früchten, aber egal wie, es schmeckt einfach traumhaft und ist ein absolutes Muss für jeden Urlauber auf  Sizilien.

Diese sündhaft leckere Alternative zum gesunden Frühstück aus Vollkornbrot und Bio-Wurst ist sogar für die auf die Figur achtenden Reisenden ziemlich leicht vor dem inneren Kalorienpolizisten zu rechtfertigen, denn es steht ein langer Tag bevor – ein spannende Reise gen Süden mit einem Ausflug  nach Agrigent – ins Tal der Tempel. Bestimmt muss man dort ganz viel laufen. Also, noch ein Cannolo. Ein letztes… mmm…



Cannoli siciliani (Bild: mat's eye, Wikimedia, CC)

Cannoli siciliani (Bild: mat’s eye, Wikimedia, CC)

Von so viel Zuckergehalt im Blut vor Energie sprudelnd legt man schnell und gut gelaunt 100 Kilometer Richtung Süden zurück. Die Reise an sich ist schon fantastisch: Blühende weisse Mandelbäume, so weit das Auge reicht, lassen die Insel wie von weissem, in Rosatönen schimmerndem Schnee bedeckt erscheinen. Der leichte Märzwind weht uns den zarten Duft der Mandelblüten zu.

Genau hier in der sizilianischen Ortschaft Agrigento, wohin wir uns begeben, wird die Mandelblüte besonders stimmungsvoll gefeiert. Im Tal der Tempel, unserem Ausflugsziel, wachsen unzählige Mandelbäume, die das Tal in einem zarten Weiss färben. Jedes Jahr findet Hier „Sagra del Mandorlo in Flore“, das Fest der der Mandelblüte.

Blühender Mandelbaum bei Agrigent (Bild: Kalima, Wikimedia, CC)

Blühender Mandelbaum bei Agrigent (Bild: Kalima, Wikimedia, CC)

Das Tal der Tempel ist eine sehr beliebte touristische Attraktion im sizilianischen Süden. Und das Parken oder besser gesagt das Fehlen von Parkmöglichkeiten steht nicht unbedingt auf unserer Wunschliste, ist aber auf Sizilien immer im Paket enthalten. Schliesslich zahlen wir der hiesigen Infrastruktur den Tribut und parken irgendwo am Strassenrand.



Tatsächlich bedeutet ein Ausflug ins Tal der Tempel viel laufen. Aber was für ein Laufen! Die archäologischen Stätten von Agrigent sind die wichtigsten und auch die beeindruckendsten  archäologischen Fundplätze auf Sizilien. Vor den Augen der Besucher breiten sich die Überreste von Akragas aus, einer der wichtigsten griechischen Städte auf Sizilien, die später den lateinischen Namen Agrigentum bekam.

Akragas wurde 582 v. Chr. von den Griechen gegründet und entwickelte sich so rasch, das es sehr bald Syrakus, der wichtigsten griechischen Polis auf Sizilien, Konkurrenz machte. Die antike Stadt hatte eine hervorragende strategische Lage:  Sie wurde auf einem Hochplateau errichtet, dessen Hänge in drei Himmelsrichtungen sehr steil nach unten abfallen. Ausserdem ist das Plateau westlich und östlich von zwei Flüssen umflossen und die Distanz bis zum Meer beträgt nur 4 Kilometer.

Ein schwacher Abglanz der einstigen Herrlichkeit (Bild: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Ein schwacher Abglanz der einstigen Herrlichkeit (Bild: Dieter Schütz / pixelio.de)

Diese günstigen Rahmenbedingungen trugen im Wesentlichen dazu bei, dass das antike Akragas sich sehr schnell entwickelte und an Bedeutung gewann. Die ausdrucksvollen Zeugen dieser Bedeutung sind eine ganze Reihe monumentaler Tempel, die im 5. Jahrhundert v. Chr. entlang der südlichen Stadtmauer entstanden, und die die Macht, Grösse und politische, wirtschaftliche und kulturelle Hochblüte von Akragas zum Ausdruck brachten.



Ausser den Stadtüberresten gibt es im archäologischen Park „Tal der Tempel“ insgesamt zwölf recht gut erhaltene dorische Tempel zu entdecken. Die Namen der Tempel haben teilweise eine historische Begründung (z.B. im Fall des Heraklestempels) aber teilweise verlief die aus den Zeiten des Renaissance-Humanismus stammende Namensgebung absolut beliebig (wie z.B. im Fall des Concordiatempels). Die trockene wissenschaftliche Klassifizierung schaffte es aber nicht, sich gegen die bildhaften alten Namen durchzusetzen. So heisst der Tempel, der eigentlich den Dioskuren gewidmet wurde, immer noch Concordiatempel, und der Tempel, der zu Ehren von Poseidon gebaut wurde, ist im Volksmund immer noch als Heratempel bekannt.

Concordiatempel bei Agrigent auf Sizilien (Bild: Berthold Werner, Wikimedia, CC)

Concordiatempel bei Agrigent auf Sizilien (Bild: Berthold Werner, Wikimedia, CC)




Auch der Name „Tal der Tempel“ ist streng genommen irreführend, da die Überreste der antiken Stadt sich eigentlich auf einem Hochplateau befinden. Der Name erklärt sich durch die Tatsache, dass die Tempel sich aus der Sicht der heutigen Stadt tatsächlich am Talrand befinden.

Der archäologische Park wird von der Via Passegiata Archeologica in zwei Hälften geteilt: Westlich stehen die Tempel des Zeus, der Dioskuren und das Heiligtum der chthonischen Gottheiten, und im östlichen Teil befinden sich Hera-, Concordia- und Herkulestempel.

Via Passegiata Archeologica im Tal der Tempel (Bild: poudou99, Wikimedia, CC)

Via Passegiata Archeologica im Tal der Tempel (Bild: poudou99, Wikimedia, CC)

Die malerischen Überreste dieser Tempel gehören zu den besterhaltenen Tempeln der griechischen Antike. Aus diesem Grund waren sie ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ein unabänderlicher Bestandteil jeder Bildungsreise durch den italienischen Süden. In seinem Buch „Italienische Reise“ erzählt Goethe von seinem Besuch im Tal der Tempel bei Agrigent. Die Bedeutung der archäologischen Stätten von Agrigent wurde in der Gegenwart nochmals bestätigt, als die UNESCO sie 1997 zum Weltkulturerbe erklärte.

Gemälde des Tempelhügels von Jacob Philipp Hackert 1778 (Wikimedia)

Gemälde des Tempelhügels von Jacob Philipp Hackert 1778 (Wikimedia)

Der archäologische Park erstreckt sich über eine so grosse Fläche, dass man hier sehr leicht den ganzen Tag verbringen kann. Aber trotz Müdigkeit nach so viel Laufen und Entdecken wird ein Abendspaziergang zu einem besonderen Genuss: Man spaziert unter den schweigenden und so vielsagenden Ruinen, die der Sonnenuntergang in satten leuchtenden Tönen färbt – ein echtes Erlebnis nicht nur für Romantiker!

 

Oberstes Bild: Archäologische Stätten von Agrigent, Heraklestempel (Bild: pjt56, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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