Montagne Noire im Süden Frankreichs: Grossartige Reise durch kleine Dörfer

28.01.2014 |  Von  |  Europa, Frankreich

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

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Der südlichste Ausläufer des französischen Zentralmassivs heisst sehr bildhaft Montagne Noire und ist der Treffpunkt des rauen nordischen Klima und des milden, vom Mittelmeer beeinflussten Klima des Südens. Günstige klimatische Bedingungen und fruchtbare Böden waren hauptsächlich für die Entstehung der ausgedehnten Weinanbaugebiete am südlichen Fuss des Gebirges verantwortlich. Die Montagne Noire bildet den westlichen Teil des Regionalen Naturparks Haut-Languedoc. Innerhalb des Gebirgsmassivs gibt es keine Verbindungen des öffentlichen Verkehrs, doch sind die Aussichten so spektakulär und die Landschaften so reizvoll, dass die Montagne Noire ein sehr beliebtes Reiseziel darstellt.     

Der Regionale Naturpark Haut Languedoc ist mit seiner Fläche von 306´000 Hektar so gross, dass er die Grenzen des Départements Aude weit überschreitet. Die Wanderer unter den Touristen werden begeistert sein, denn der Naturpark lässt sich auf vielen Wanderwegen erkunden, und der landschaftliche Reichtum – Wälder, Flüsse, Seen, Täler, üppige Flora und Tierartenvielfalt – können die Natur liebenden Besucher unmöglich gleichgültig lassen. Ausserdem beherbergt der Naturpark ein reiches geschichtliches Erbe an Abteien und Schlössern. In Carcassonne befindet sich eine der Dienststellen des Naturparks, in der alle Interessenten ausführliche Informationen in Bezug auf Routen innerhalb des Parks bekommen können.



Regionaler Naturpark Haut-Languedoc (Bild: Christian Ferrer, Wikimedia, CC)

Regionaler Naturpark Haut-Languedoc (Bild: Christian Ferrer, Wikimedia, CC)

Auf einem der Hänge von Montagne Noire hat es sich das Dorf Saissac gemütlich gemacht. Das Dorf ist von Buchenholz- und Nadelwäldern umgeben, ausgestickt mit romantischen Pfaden, die bald im Wald verschwinden, bald sich entlang der Magerwiesen ringeln. An den steilen Gefällen breiten sich terrassenartig Weinberge und Obstgärten aus. Malerische Ruinen und noch aufrechterhaltene Wehrtürme schauen zwischen den altertümlichen Häusern heraus, von welchen natürlich die Burg der Katharer aus dem 10. Jahrhundert von herausragender Bedeutung ist.

Das Gelände von Château de Saissac liegt auf einem Felsvorsprung im Süden des Ortes. Im Mittelalter war das Schloss eines der wichtigsten Zentren der Katharer-Bewegung in Aude, bekannt als das Land der Katharer, wegen der zahlreichen Burgen und Schlösser, die die Anhänger dieser Glaubensrichtung in der Gegend erbaut hatten.  Obwohl die Burg bis zum 20. Jahrhundert stark verfallen war, erwarb sie 1920 der Filmemacher und Schriftsteller Henri Dupuy Mazel und renovierte einen Burgteil, sodass das Château wieder bewohnbar wurde. Seine Erben haben das Gelände der Gemeinde Saissac überlassen. 1997 wurden im Château umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt, während derer ein mittelalterlicher Schatz gefunden wurde. Der Münzschatz, nach dem man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts suchte, betrug 200 Denare. Seit 1926 trägt das Château de Saissac den Titel monument historique.





Chateau de Saissac (Bild: Richard Barley, Wikimedia, CC)

Chateau de Saissac (Bild: Richard Barley, Wikimedia, CC)




In der Nähe von Saissac befinden sich zwei Abteien, die man unbedingt besuchen sollte, wenn man sich im Süden Frankreichs aufhält – die Abtei Saint-Papoul und die Abtei Villelongue, 30 Kilometer voneinander entfernt. Es ist eine unmöglich schwierige Entscheidung, welche von den beiden die schönere ist. Beide haben kulturgeschichtlich gesehen viel zu erzählen, beide liegend inmitten einer absolut bezaubernden Landschaft.

Die Abtei Saint-Papoul wurde 1317 von Papst Johannes XXII gegründet. Die recht gut erhaltene Abteikirche ist im romanischen und der Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. An der halbkreisförmigen Aussenwand der Apsis befinden sich acht Kapitelle und 28 Modillone, die vom Meister von Cabestany, einem anonymen Künstler aus 12. Jahrhundert stammen, dessen Identität im Unterschied zu seinem Werk auf beiden Seiten der Pyräneen immer noch unbekannt bleibt. In dem Ort Saint-Papoul selbst ist der Markt am Samstag ein echtes Erlebnis für all diejenigen, die vom französischen Provinzleben angetan sind.





Kreuzgang in der Abtei Saint-Papoul (Bild: pinpin, Wikimedia, CC)

Kreuzgang in der Abtei Saint-Papoul (Bild: pinpin, Wikimedia, CC)

Die Abtei Villelounge beherbergt auch ein reiches Erbe an Skulpturen. In der Abtei verschmilzt die Romantik ihrer Ruinen mit der des prächtigen mittelalterlichen Gartens. Im Sommer ist der Aufenthalt hier ist ein authentisches Fest der Sinne. Die Kirche und der Kreuzgang dienen in der warmen Jahreszeit als Veranstaltungsort für Konzerte der Kammermusik.

Auch das süsse Dorf Montolieu ist zweifelsohne eines Besuchs wert. Besonders die Leseratten werden begeistert sein, denn Montolieu ist als die französische Hauptstadt der Sacondhand-Bücher bekannt. Neben den antiquarischen Buchläden trifft man hier auf Schritt und Tritt Läden, die mit kunsthandwerklichen Erzeugnissen handeln. Aber bekannt ist Montolieu als Village du Livre, ein Geheimtipp für alle, die nach ganz bestimmter Lektüre suchen, einfach nur stöbern oder die Atmosphäre eines Bibliothek-Dorfes schnuppern wollen. Bücher in allen  möglichen Sprachen, Fachliteratur und Krimis, Romane und Poesie – alles ist in dieser „Welt der Bücher“ zu finden.

Das kleine Dorf ist sein 1989 Anziehungspunkt für die Leseratten. Diese Tatsache ist dem Buchbinder Michel Braibant zu verdanken, der Montolieu zu einem Dorf der Bücher machte. Dieser Persönlichkeit und der Buchdruckgeschichte ist das Museum Michel Braibant, Centre d’Art et de Literature, gewidmet.



 

Oberstes Bild: Montagne Noire in Frankreich (Bild: Christian Ferrer, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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