Unbekanntes Myanmar – der Pagoden-Wald von Kakku

16.04.2015 |  Von  |  Asien
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Unbekanntes Myanmar – der Pagoden-Wald von Kakku
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Über Jahrzehnte war Myanmar – das frühere Burma – ein hermetisch abgeriegeltes Land in Südostasien, in das kaum Besucher gelangten. Seit einigen Jahren findet eine erstaunliche Öffnung statt und allmählich entdeckt auch der Tourismus die Natur- und Kultur-Schönheiten des Landes. Über beides verfügt Myanmar reichlich. 

Zu den ausserhalb des Landes kaum bekannten Schätzen gehören die Pagoden von Kakku. Wie nur wenige Länder Asiens ist Myanmar bis heute vom Buddhismus geprägt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es hier eine Vielzahl eindrucksvoller Pagoden gibt, denn diese Bauwerke sind untrennbar mit der fernöstlichen Religion verbunden. Keine der zahllosen, zum Teil sogar vergoldeten Turmbauten kann sich aber mit den Pagoden von Kakku vergleichen.

Heiligtum der Pa-Oh im Shan-Staat

Kakku liegt im Shan-Staat. So wird der sich nördlich an Thailand angrenzende Teil Myanmars genannt – die flächenmässig grösste Provinz des Landes, die rund ein Viertel der Gesamtfläche umfasst. Dafür ist der Shan-Staat vergleichsweise dünn besiedelt. Weniger als zehn Prozent der Bevölkerung des Landes leben hier. Die Provinz besteht überwiegend aus Bergland mit ausdehnten Tälern und Hochebenen. Lange war es eine besonders unruhige Region, denn der Shan-Staat ist Heimat zahlreicher ethnischer Minderheiten, die sich mit der Zentralregierung über viele Jahre einen hartnäckigen Guerilla-Krieg um mehr Rechte und die Unabhängigkeit lieferten. Die Bevölkerungsmehrheit wird von den Shan gestellt, die die zahlenmässig bedeutendste Minderheit in Myanmar sind. Die zweitgrösste Gruppe im Shan-Staat bilden die Pa-Oh, ein seit Urzeiten in dieser Region ansässiger Volksstamm, der seine Traditionen und Eigenarten bis heute bewahrt hat. Kakku ist ein zentrales Heiligtum der Pa-Oh.


Kakku ist ein zentrales Heiligtum der Pa-Oh. (Bild: © maodoltee - shutterstock.com)

Kakku ist ein zentrales Heiligtum der Pa-Oh. (Bild: © maodoltee – shutterstock.com)


Der heilige Ort liegt rund 300 Kilometer südöstlich von Mandalay, der nach Rangun grössten Stadt des Landes. Ganz einfach ist es nicht, hierher zu kommen, denn eine ausgebaute touristische Infrastruktur fehlt bislang. Das gilt auch für die Verkehrsverbindungen – das mag eine Hürde sein, andererseits hat dieser Umstand das Heiligtum bisher vor grösseren Besucherscharen bewahrt. Bis zur Jahrtausendwende konnte die Gegend wegen des herrschenden Guerilla-Krieges grundsätzlich nicht besucht werden. Dann wurde endlich Frieden geschlossen, seitdem ist es möglich, als Reisender hierher zu kommen. Kakku selbst, das in einer Ebene auf 1.300 Meter Höhe liegt, ist nicht bewohnt, nur einmal im Jahr drängen sich grössere Menschenmengen an dem Ort. Dann ist das traditionelle Vollmond-Fest des Pa-Oh. Es findet immer am Vollmond-Tag im Monat Tabaung statt, dem letzten Monat des birmanischen Jahres, was in unserem Kalender einem Zeitraum im Februar oder März entspricht.

Verehrungsort und Heiratsmarkt bei Vollmond

Dann kommen viele Pa-Oh aus ihren Dörfern von nah und fern hierher und errichten für drei Tage eine bunte Stadt aus Zelten, Hütten und Marktständen. Zwischen den Pagoden werden in dieser Zeit zahllose Kerzen und Räucherstäbchen für Buddha geopfert. Das Vollmond-Fest ist aber nicht nur ein Anlass zur Besinnlichkeit, es handelt sich um ein ausgesprochen fröhliches Zusammentreffen mit Event-Charakter, bei dem es auch viel Tanz und Gesang gibt. Dann besteht auch Gelegenheit, die Pa-Oh in ihrer charakteristischen Kleidung zu erleben. Dazu gehört eine farbige, bei Frauen oft leuchtendrote turbanartige Kopfbedeckung, während Blusen und Hosen eher dunkelblau oder fast schwarz sind. Es ist eine fast uniformartige Tracht. Traditionell gilt das Volksfest auch als Heiratsmarkt, bei dem zahlreiche Ehen gestiftet werden. Es ist ein Anlass zum Kennenlernen, Kommunizieren und für Informationsaustausch.


Wer das erste Mal die Pagoden von Kakku sieht, wird den Anblick nicht vergessen. (Oberstes Bild: © mname - fotolia.com

Wer das erste Mal die Pagoden von Kakku sieht, wird den Anblick nicht vergessen. (Oberstes Bild: © mname – fotolia.com (Bild: © mname – shutterstock.com)


Wer das erste Mal die Pagoden von Kakku sieht, wird den Anblick nicht vergessen. Wenn wir von einer Pagode sprechen, denken wir in der Regel an ein einzelnes Bauwerk. In Kakku präsentiert sich dem Besucher dagegen ein ganzer Pagoden-Wald. Insgesamt sollen es 2.478 Pagoden sein, die hier im Lauf der Jahrhunderte auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer errichtet wurden. Sie stehen in dichten Reihen, zwischen denen nur schmale Wege hindurchführen.

Eine Pagode ist ein für den Buddhismus typischer turmartiger Bau. Ihr Ursprung ist die Stupa, die als Grabmal für besonders verehrungswürdige Personen im Buddhismus erbaut wird. Später wurden die Stupas durch Aufbauten erweitert. Eine Pagode besteht üblicherweise aus einem unter der Erde liegenden „Erdpalast“, der als Aufbewahrungsort für buddhistische Reliquien, Buddha-Statuen oder Sutras dient. Darüber erhebt sich der Sockel, der als Basis der Pagode fungiert und den Weltenberg Sumeru, das Zentrum des Kosmos, symbolisiert. Darauf steht der turmartige Pagodenkörper, oft in mehreren Abstufungen und mit reichen Dekorationen. Die Spitze bildet den Abschluss. Sie ist ein Muss bei jeder Pagode, denn sie symbolisiert das „Himmelreich“ des Buddhas. Diesem Bauprinzip folgen auch Pagoden von Kakku.


Die verzierten Spitzenhauben mit ihren Glöckchen sorgen bei Wind für einen magischen Klang. (Bild: © tacud - shutterstock.com)

Die verzierten Spitzenhauben mit ihren Glöckchen sorgen bei Wind für einen magischen Klang. (Bild: © tacud – shutterstock.com)


Ein magischer Klang im Wind 

Der Legende nach sollen die ersten Pagoden an diesem Ort im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sein, als Mönche aus Indien hierher kamen, die vom indischen Kaiser Ashoka zum Zwecke der Missionierung ausgesandt worden waren. Was daran stimmt, lässt sich nur schwer nachprüfen. Fest steht, dass der Pagoden-Wald immer weiter bis in die jüngste Zeit ausgebaut wurde. Die neuesten Bauten stammen aus den 1980er Jahren. Die Pagoden von Kakku sind kein Museum, sondern ein lebendiger Ort des Glaubens. Von ferne betrachtet scheinen sich viele Pagoden sehr zu gleichen. Dafür sorgt schon das immer eingehaltene Grundprinzip ihres Aufbaus. Der einheitliche Eindruck wird noch durch die bei fast allen Pagoden anzutreffenden metallenen und reich verzierten Spitzenhauben mit ihren Glöckchen verstärkt. Sie sorgen bei Wind für einen magischen Klang. Bei näherer Betrachtung erweist sich aber jede Pagode als Unikat mit vielen individuellen Details. Die Mehrzahl der Bauten ist wohl ab dem 17. Jahrhundert entstanden. Sie repräsentieren damit in einmaliger Konzentration unterschiedliche Epochen und Baustile dieser spezifischen Bauwerke an einem einzigen Ort.



Wer die Chance hat, an diesen entlegenen Platz zu kommen, wird sich des meditativen Zaubers im Pagoden-Wald nicht entziehen können. Es ist zweifelsohne einer der markantesten Orte, den Myanmar seinen Gästen zu bieten hat. Auch wenn man nicht mit der Lehre und den religiösen Praktiken des Buddhismus vertraut ist, vermitteln die Pagoden von Kakku ein besonders eindrucksvolles Bild von dieser Weltreligion.

 

Oberstes Bild: © Bule Sky Studio – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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