Morges – in der Côte am Genfersee

29.06.2016 |  Von  |  Schweiz
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Morges – in der Côte am Genfersee
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La Côte ist eine traditionsreiche Weinbau-Region westlich von Lausanne am Genfersee. Hier wird etwa die Hälfte des Weins im Kanton Waadt produziert. Die Stadt Morges bildet den östlichen Eckpfeiler dieser Region – ein schöner alter Ort in bester Seelage mit einem noch weitgehend geschlossenen mittelalterlichen Stadtbild.

Der Ort gilt als ein Zentrum des Weinbaus und ist Teil der bekannten Weinstrasse, die durch die ca. 2‘000 grosse Anbaugebiet führt – eine wunderbare Gelegenheit zum Wandern und zur Verkostung der ausgezeichneten Rot- und Weissweine unterwegs.


Morges ist Teil der bekannten Weinstrasse. (Bild: ExFisherman – Shutterstock.com)

Morges ist Teil der bekannten Weinstrasse. (Bild: ExFisherman – Shutterstock.com)


Trotz einer mittlerweile über siebenhundertjährigen Geschichte ist Morges vergleichsweise jung. Denn im Unterschied zu vielen anderen Orten der Gegend kann die Stadt nicht auf einen keltischen oder römischen Ursprung zurückblicken.

Es war Graf Ludwig I. von Savoyen, der als Herr des Waadt mit einem 1286 begonnenen Schlossbau die Stadtanlage initiierte, vorher hatten hier nur wenige Häuser gestanden. Er wollte damit die Machtausweitung der Bischöfe im nahen Lausanne begrenzen und den wichtigen Handelsweg nach Genf kontrollieren. Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1297 spielt deutlich auf diese (Neu)gründung an. „tempore quo Morgia constructa est“, heisst es dort: „zu der Zeit, als Morges gegründet wurde“.


Morges am Genfersee (Bild: Slatin, Wikimedia, CC)

Morges am Genfersee (Bild: Slatin, Wikimedia, CC)


Dicke Festungsmauern – Schloss Morges

Das Schloss ist denn auch bis heute das unübersehbare Wahrzeichen der Stadt. Direkt am Seeufer gelegen, wirkt es mit seinen vier Rundtürmen und hohen Mauern mit zahlreichen Schiessscharten als das, was es einst sein sollte – ein wehrhafter Festungsbau. Dennoch war das Schloss nie ausschliesslich für Verteidigungszwecke gedacht, sondern diente auch als Wohnsitz – zuerst für die Grafen und Herzöge von Savoyen, später für die Berner Landvögte, die hier nach der Inbesitznahme des Waadts residierten.


Schloss Morges (Slatin, Wikimedia, CC)

Schloss Morges (Slatin, Wikimedia, CC)


Heute beherbergt das Schloss vier Museen, die – der Umgebung angemessen – allesamt der Militär- und Sicherheitsgeschichte des Kantons und der Schweiz gewidmet sind: das Waadtländer Militärmuseum, das Schweizer Zinnfigurenmuseum, das Artilleriemuseum und das Museum der Waadtländer Gendarmerie.


Das Schloss beherbergt vier Museen. (Bild: Rama, Wikimedia, CC)

Das Schloss beherbergt vier Museen. (Bild: Rama, Wikimedia, CC)


Im 17. Jahrhundert wurde zu Füssen des Schlosses ein Hafen angelegt, denn Morges war ein wichtiger Handelsplatz am Genfersee. Er wird heute als Yachthafen genutzt. Die im Wasser dümpelnden Segelboote mit den Festungsmauern im Hintergrund sind ein schönes Bild. Zusammen mit der wenige Schritte weiter beginnenden Uferpromenade bilden sie die Schauseite der Stadt.


Hafen von Morges (Bild: Pierre Bona, Wikimedia, GNU)

Hafen von Morges (Bild: Pierre Bona, Wikimedia, GNU)


Rund um die Grand Rue

Auch ein Bummel durch die Altstadt lohnt sich. Ihr Herz bildet die sogenannte „Grand Rue“, eine breite gerade Strasse, die fast schon wie ein Platz wirkt und von schönen alten Bürgerhäusern umrahmt wird. Das Glanzstück der „Parademeile“ ist die Reformierte Kirche, der „Temple de Morges“ – ein vornehmer Bau, der Elemente des Spätbarock und des Frühklassizismus vereint. Sein markanter Turm überragt die Altstadt.

Die Grand Rue ist heute Fussgängerzone und bietet viele Einkaufsmöglichkeiten in gemütlichen Läden entlang der Strasse. Jeden Mittwoch und Samstag findet hier ein Markt statt, auf dem regionale Produkte angeboten werden. Selbstverständlich ist auch der heimische Wein darunter. Ein weiteres interessantes Baudenkmal in der Altstadt ist das Rathaus (Hôtel de Ville). Das Gebäude mit dem sechseckigen Treppenturm und dem Barockportal stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der benachbarte Renaissancebau wurde 1620 als Erweiterung des Rathauses errichtet.


Die Grand Rue ist heute Fussgängerzone. (Bild: Raphaël Thiémard, Wikimedia, CC)

Die Grand Rue ist heute Fussgängerzone. (Bild: Raphaël Thiémard, Wikimedia, CC)


Vufflens-le-Château – wie eine Filmkulisse

Eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit befindet sich etwa 2,5 Kilometer ausserhalb von Morges. In dem Dörfchen Vufflens-le-Château etwas oberhalb der Stadt liegt das gleichnamige Schloss. Das imposante Bauwerk auf einer von Weinreben bestandenen Anhöhe gilt als eines der bedeutendsten Schlösser in der Westschweiz.

Ein wenig wirkt der vieltürmige Bau mit dem mächtigen Bergfried wie als Kulisse für einen Ritterfilm gemacht. Durch die Verwendung von Backstein zeigen sich die Mauern in einem hellen Rotton, von dem sich das dunklere Rot und Grau der Dächer deutlich abhebt.


Vufflens-le-Château (Bild: mary416 – Shutterstock.com)

Vufflens-le-Château (Bild: mary416 – Shutterstock.com)


Vufflens-le-Château wurde im 15. Jahrhundert anstelle einer älteren Burganlage erbaut. Im Unterschied zu Schloss Morges war es weniger als Befestigung, sondern als repräsentativer Wohnsitz gedacht.

Ein adliger Ratgeber des damaligen Grafen von Savoyen war der Bauherr, die Ausführung erfolgte durch einen italienischen Baumeister, der sich durch piemontesische Architektur inspirieren liess. Besonders eindrucksvoll ist der mächtige quadratische Donjon – ein Wohnturm, der bei Schlossbauten im französischsprachigen Raum weit verbreitet ist. Leider kann das Schloss nicht besichtigt werden, aber alleine die Aussenansicht ist einen Besuch wert.


Besonders eindrucksvoll ist der mächtige quadratische Donjon. (Bild: Mihai-Bogdan Lazar – Shutterstock.com)

Besonders eindrucksvoll ist der mächtige quadratische Donjon. (Bild: Mihai-Bogdan Lazar – Shutterstock.com)


Fazit

Morges ist eine vom Weinbau geprägte Stadt am Genfersee. Ein Besuch des Schlosses und des historischen Zentrums ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter.



 

Artikelbild: © Mihai-Bogdan Lazar – Shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.


Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.



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