Das schöne Sardinien, Teil 3: Agriturismo in Sardinien – in der Ruhe liegt die Kraft

22.11.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Das schöne Sardinien, Teil 3: Agriturismo in Sardinien – in der Ruhe liegt die Kraft
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Viele Touristen, die gerade mal Rom, Venedig, Florenz gesehen haben, meinen, sie würden Italien kennen. Zum Glück ist das nicht wahr. Das gehetzte Trappeln durch die Sehenswürdigkeiten, begleitet vom hastigen Knipsen mit der Kamera, all das ist ungenügend, um das wahre Gesicht Italiens und insbesondere Sardiniens wirklich kennen zu lernen.

Am besten sollte man dafür wenigstens für eine Zeit Handy, E-Mail, Skype, Fernsehen, Radio und ähnliche Errungenschaften der Zivilisation zur Seite legen und ganz davon vergessen. Sardinien erkundet man nicht mit Hilfe eines Reiseführers oder eines festgelegten Urlaubsplans. Hier brauchen Sie Ihre fünf Sinne, die durch den stressig-schlauchenden Alltag allmählich abgestumpft zu sein scheinen. Fern von dieser Hektik beunruhigt die Ruhe fast. Erstmals braucht man Zeit, um zu merken: Sardinien riecht, schmeckt, schillert in zauberhaft wechselnden Farben, klingt in tausenden Tönen und Naturgeräuschen, fühlt sich samtig oder rau an. Hauptsache, man meidet die ausgetretenen Wege.



Das zivilisierte Leben heutzutage ist gnadenlos: Acht (wenn nur) blind machende Stunden vor dem Computer, Telefonate, Termine, Abstimmungen, Zeitdruck, Stress, bis einem der Kopf raucht, sitzende Lebensweise, kaum Zeit, um etwas Ruhe zu finden. Eine Möglichkeit par excellence, von der erbärmlichen Hightech-Existenz zu fliehen, ist Agriturismo in Sardinien.



Agriturismo ist genau das Richtige für diejenigen, die nicht unbedingt den Alltagsstress gegen den Urlaubsstress umtauschen möchten. In einem Agriturismo den Urlaub zu verbringen, bedeutet für eine kurze Zeit absolut bodennah – das heisst, gleichzeitig lebensnah – zu wohnen.

Baunei, Provinz dell´Ogliastra, Sardinien (Bild: Rosanna C., Wikimedia, CC)

Baunei, Provinz dell´Ogliastra, Sardinien (Bild: Rosanna C., Wikimedia, CC)




Bei Agriturismo handelt es sich um Ferien-Bauernhöfe, wo die Gäste dem Arbeitsalltag sowohl zuschauen als auch mitmachen können. Die rustikalen Bauernhöfe sind natürlich dem ländlichen Stil angepasst. Sie sind ja nicht wegen den Touristen geschaffen worden. Ganz im Gegenteil, die Gastfamilien machen öffnen ihre Türen, und lassen die Kommenden an ihrem normalen Tag-für-Tag-Leben teilhaben.

Sardische Katze (Bild: Roberto Ferrari, Wikimedia, CC)

Sardische Katze (Bild: Roberto Ferrari, Wikimedia, CC)

Es gibt keine geräuschisolierten Wände, und die Fenster stehen im Sommer natürlich offen. Also tagsüber und in der Nacht hört man alles, was sich auf einem Bauernhof mitten in der Natur zu hören gebührt: gleich draussen hat ein Huhn einen Wurm gefunden und pickt zielstrebig und rhythmusvoll gegen die Wand, die Hunde bellen, die Schafe blöken, die Kühe muhen, Vögel und Insekte spielen ihre Musik, in der Nacht springt plötzlich eine Katze auf das Fensterbrett, ein pflichtbewusster Hahn teilt gegen fünf Uhr allen mit, dass bald Morgen ist. Und obwohl etwas ständig in der Hörweite passiert, allein von der Tatsache, dass das, was da gerade piepst, ein Welpe und nicht das Faxgerät ist, kann man das Gefühl nicht loswerden, dass es unglaublich still ist.



Es gibt normalerweise eine beschränkte Anzahl von Zimmern, die meist einfach eingerichtet sind. Es ist nicht selbstverständlich, dass jedes Zimmer über fliessendes Wasser oder eigenes WC verfügt. Also nichts für die Komfort-Abhängigen. Ein Swimmingpool ist oft dabei, aber im Grossen und Ganzen kein hotelüblicher Schnickschnack. Dafür kriegt man aber für ungefähr 40 Euro pro Person und Nacht die Möglichkeit, den zweckmässigen Komfort, ländliche Ruhe und Entspannung zu geniessen. Ideal für Paare, Familien, Freunde und Biker, die ihre Reise selbst gestalten möchten. Einige benutzen die Unterkunft als einen Ort der Entspannung, bei Wunsch kann man am Bauernhof mithelfen oder zuschauen; für andere ist Agriturismo der Stützpunkt für verschiedene Ausflüge oder Aktivitäten.

Schon frühmorgens fängt das betriebsame Leben auf dem Bauernhof an. Wer nicht mehr am Strand liegen möchte, und genug von historischen Sehenswürdigkeiten hat, kann bei Tagesanbruch mit den Schäfern zum Melken gehen, bei der Zubereitung von typischen Käsesorten mithelfen, Brot backen oder im Gemüsegarten mitarbeiten. Wer im Mai in Sardinien den Urlaub verbringt, kann bei der Schafschur dabei sein. Wenn die Zahl der Schafe gross ist, schaffen die Bauern das allein nicht. Verwandte und Freunde aus ganz Sardinien reisen an, um bei der Schafschur zu helfen. Nach Stunden harter Arbeit strömen die ein paar Kilo leichteren Tiere auf die Wiese und die Männer zum Tisch, der während des Morgens von den Frauen vorbereitet wurde.

Kirche San Giovanni di Sinis, Cabras, Sardinien (Bild: Norbert Nagel, Wikimedia, CC)

Kirche San Giovanni di Sinis, Cabras, Sardinien (Bild: Norbert Nagel, Wikimedia, CC)

Die Arbeit auf dem Bauernhof ist keine Pflicht, wer möchte, kann Rad fahren, wandern oder klettern gehen. Oder einfach am Pool abschalten und die Ruhe geniessen. Und trotzdem bestimmt die Gastfamilie den Rhythmus: Es wird immer zusammen in einer gemütlichen Runde und ohne Eile gegessen. Die kulinarischen Vorteile dieser Art Urlaubs sind mehr als nennenswert. Eine italienische Mama kocht, damit ist alles gesagt. Alles, was von der Erde und aus dem Meer kommt, wird aufgetischt: typisch sardische Käsesorten, geräucherter Wildschweinschinken, Wurstspezialitäten, Salsiccia, Oliven und eingelegtes Gemüse, Zuppa Gallurese, Brotlasagne, die unterschiedlichsten in Weisswein gekochten Muscheln und Meeresschnecken und natürlich selbstgemachte Nudeln. Wenn man noch etwas Italienisch spricht und mitreden und mitlachen kann, werden die Ferien einfach unvergesslich.



 

Oberstes Bild: Porto Cervo, Sardinien (Bild: MrArifnajafov, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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