Frankreichs normannisches Erbe – die Normandie

28.07.2014 |  Von  |  Europa, Frankreich

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

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Die Normandie im Nordwesten Frankreichs zieht dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit auf sich. Zum sechzigsten Mal jährt sich der D-Day, der Tag der Landung der Alliierten an den Stränden der Region. Die gelungene Invasion war das Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs.

Viele Besucher des Landstrichs, nur knapp eine Autostunde von Paris entfernt, wollen daher den Spuren der näheren Vergangenheit folgen. Doch die Normandie ist nicht nur deswegen eine Reise wert. Reisende finden hier ein besonderes Stück Frankreich.



Sprungbrett nach England

Ihre Bezeichnung erhielt die Region von den Nordmännern – den Normannen, die das Land im frühen Mittelalter zuerst brandschatzten, sich später hier niederliessen und mit der einheimischen Bevölkerung vermischten. Bei den fremden Eindringlingen handelte es sich nach modernen Erkenntnissen um Wikinger – vor allem aus dem heutigen Dänemark. Der normannische Herrscher Wilhelm der Eroberer war es schliesslich, der im Jahre 1066 England eroberte und unterwarf.

An die berühmte Schlacht im englischen Hastings erinnert noch heute der nur wenig später entstandene Teppich von Bayeux. Er zeigt in detailreichen Darstellungen den Verlauf des Feldzugs und gibt hochinteressante Einblicke in die Lebens- und Denkwelt des Mittelalters. Er ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Normandie. Er wird im eigens dafür errichteten Centre Guillaume le Conquérant in Bayeux gezeigt, ein Muss für geschichtsinteressierte Normandie-Reisende.

Teppich von Bayeux: König Edward erteilt Harald den Auftrag in die Normandie zu reisen (Bild: Myrabella, Wikimedia, CC)

Teppich von Bayeux: König Edward erteilt Harald den Auftrag in die Normandie zu reisen (Bild: Myrabella, Wikimedia, CC)




Prägend – Wilhelm der Eroberer



Dank Wilhelm dem Eroberer blieb die Normandie lange Zeit mit England verbunden, erst seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehört das Land dauerhaft zu Frankreich. Mit dem Namen des herausragenden Herrschers ist heute noch manche Sehenswürdigkeit verbunden, zum Beispiel sein Geburtsort: die trutzige Burg von Falaise. Aber Wilhelm betätigte sich nicht nur als Feldherr, sondern stiftete auch Klöster – zum Beispiel die ‚Männerabtei‘ Saint Etienne und die ‚Damenabtei‘ Sainte Trinité in Caen oder die auch als Ruine noch äusserst eindrucksvolle Abtei Jumièges.

Normannisch geprägt ist auch ein weiteres Wahrzeichen der Region – der Mont Saint Michel. Das Bild der Insel mit der sich auf einem Berg in den Himmel reckenden alten Benediktinerabtei bleibt Besuchern unvergesslich in Erinnerung. Der Mont Saint Michel liegt nahe der Grenze zur benachbarten Bretagne mitten im Wattenmeer. Um den Inselberg und die Abtei ranken sich zahlreiche Legenden. Sowohl die Artussage als auch die Geschichte vom Heiligen Gral spielen dabei eine Rolle.

Der Mont Saint-Michel von Süden (Bild: Eric Pouhier, Wikimedia, CC)

Der Mont Saint-Michel von Süden (Bild: Eric Pouhier, Wikimedia, CC)

Steile Felsen an der Alabasterküste



Die Küste der Normandie ist sehr vielgestaltig. Es gibt weite Abschnitte mit steilen Kreidefelsen, Kliffs und auch zahlreiche Strände. Besonders schön ist die sogenannte Alabasterküste mit ihren zum Teil hundert Meter hohen Steilfelsen. Sie liegt in der nördlichen Haute Normandie und erstreckt sich über eine Länge von rund 120 Kilometern. Ihre Alabasterfarbe gab der Küste den Namen. Nur wo Flüsse ins Meer münden oder sich Täler bis an die See erstrecken, ist die Alabasterküste auch flacher. Oft verbinden sich Steilküste und Strände zu malerischen Bildern. Dieppe und Étretat sind zwei bekannte Seebäder in dieser Gegend. Insbesondere Dieppe hat eine grosse Badetradition.

Côte Fleurie – ein Hauch von Cannes

Lieblicher zeigt sich dagegen die sogenannte Blumenküste. Hier reihen sich elegante Seebäder wie an einer Perlenschnur entlang der Küste auf. Deauville, Trouville, Houlgate und Cabourg sind bekannte Urlaubsadressen für Touristen mit gut gefülltem Portemonnaie. Pferderennen, Golfturniere, Segelregatten und Lustwandeln an einer der schicken Strandpromenaden gehören zum Bild. Äusserst gepflegte Badestrände sind an der Côte Fleurie selbstverständlich. Ein bisschen wie Cannes wirkt das jährliche Filmfestival von Deauville, das Stars und Sternchen anzieht. Sehen und gesehen werden ist das, was hier zählt.

Deauville, Côte Fleurie (Bild: Viault, Wikimedia, GNU)

Deauville, Côte Fleurie (Bild: Viault, Wikimedia, GNU)

Wiege des Impressionismus

Der einmalige Zusammenklang von Wasser, Land und Himmel mit nuancenreichen Licht- und Farbschattierungen hat Maler an der Normandie immer wieder fasziniert. Von daher überrascht es nicht, dass hier ein Malstil seinen Ursprung hat, dem es besonders um den Eindruck ging – der Impressionismus. Er soll in der Normandie entstanden sein. Ein Künstlername ist damit wie kein anderer verbunden, der von Claude Monet.

Sein Bild der normannischen Hafenstadt Le Havre – ‚Impression, soleil levant‘ – gilt als ‚Urknall‘ des Impressionismus. Seither pilgerten zahlreiche impressionistische Maler in die Normandie und fanden hier ihre Motive. In kaum einem Ort der Normandie lässt sich dem Impressionismus besser nachspüren als in Giverny. Ganz am Ostrand der Region, unweit von Paris gelegen, sind hier Monets Haus, Garten und Atelier zu sehen.

Aus dem Land des Apfels

Ein Bericht über die Normandie wäre unvollständig, wenn nicht abschliessend auch auf die kulinarischen Genüsse eingegangen würde. Die Nähe zum Meer macht sich in der Küche besonders bemerkbar. Neben Fisch kommen auch Muscheln, u.a. Jakobsmuscheln und Austern, auf den Tisch. Daneben gibt es hervorragenden Käse. Camembert ist ein Ort in der Normandie, aus dem der gleichnamige Käse stammt. Er ist aber nur ein Beispiel für die reiche Käsetradition der Gegend. Livarot, Pont l’Evêque und Neufchâtel sind weitere bekannte Sorten. Wie keine andere Region Frankreichs ist die Normandie ein Apfelland. Zehn Millionen Apfelbäume soll es hier geben. Ihre Früchte werden zu zwei weiteren Spezialitäten verarbeitet – dem Cidre und dem Calvados. Sie sind hervorragende Begleiter zu einem bodenständigen Mahl.



 

Oberstes Bild: Steile Felsen an der Alabasterküste (© Dooblem, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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