Die Insel Rhodos, Teil 5: Die Suche nach sich selbst auf dem Berg Filerimos

04.11.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Die Insel Rhodos, Teil 5: Die Suche nach sich selbst auf dem Berg Filerimos
Jetzt bewerten!

Was uns auf Rhodos am meisten gefällt, und den Aufenthalt sehr angenehm macht,  ist die Möglichkeit, Sightseeing und Erholung immer ganz entspannt zu kombinieren. Egal wie man die Karten mischt, man bekommt immer: antike Ruine – Strand – Café, oder Denkmal – Gaststätte – zum Sitzen einladende Bank, oder Kirche – Park – teppichweiche grüne Wiese…oder… oder… Auf jeden Fall sind die Ausflüge nie anstrengend: Nach einer mundgerechten Portion Sightseeing müssen wir uns nur umschauen und voilà – in Sichtweite finden wir sehr schnell mindestens drei Möglichkeiten, die Müdigkeit vermöge eines eiskalten fruchtigen Frappés hinunterzuspülen.  

Der Ausflug zum Berg Filerimos erfüllte voll und ganz unsere Erwartungen, einen entspannten und doch mit Eindrücken erfüllten Tag zu verbringen. Wir fahren zum Berg auf der Westküstenstrasse. Unser Weg führt uns erst durch die Stadt Triadna. 1967 bestand der Ort aus 30 Sommervillen entlang der Küstenstrasse, daher kommt auch der Name Triadna. Heutzutage ist es der Verwaltungssitz des Gemeindebezirks Ialysos und die zweitgrösste Stadt auf der Insel.



Die malerische Landschaft um uns herum ist wie immer postkartenschön. Frische Morgenluft riecht nach feuchtem Grün. Wieder mal erfreut mich der Weg durch seine fesselnde Schönheit. Mein Mann hat dagegen kein Auge für die bukolischen Reize der Insel: Die Windungen der Serpentinenstrasse lassen all seinen Fahrer-Ehrgeiz hochsteigen. Mit ernster Miene, die gerade perfekt zu seiner Pilotenbrille passt, stellt er seine Fahrkunst unter Beweis. Endlich, als es uns von so vielen ständig bergauf führenden Serpentinen fast schwindelig wird, erreichen wie einen Parkplatz. Eigentlich kann man auf den Berg auch hochwandern. Die Strasse ist bestens dazu geeignet. Und auf Schusters Rappen kann man sowieso viel mehr von der Natur sehen und geniessen.





Die Kirche Filerimos (Bild: Martin Badatel, Wikimedia, CC)

Die Kirche Filerimos (Bild: Martin Badatel, Wikimedia, CC)

Der Berg Filerimos ist ca. 270 Meter hoch. Auf dem Plateau befinden sich die Reste der ursprünglichen Stadt Ialysos. Von der antiken Stadt sind nur Ruinen übriggeblieben, heutzutage auch eine sehr beliebte touristische Sehenswürdigkeit. Auch die Überreste des Tempels der Pallas Athene können hier besichtigt werden.  Für alle, die an der antiken Geschichte und der Archäologie interessiert sind, ist es ein sehr faszinierender Spaziergang zwischen den schweigenden aber so viel sagenden Steinen, die einem geübten Auge sicherlich ganz viele spannende Details über die antike Kunst der Stadterrichtung erzählen. Auf den Überresten des Athene-Tempels bauten die Christen später eine Basilika. Von diesem frühchristlichen Bau gibt es nicht mehr als die Ruinen zu sehen, dafür ist aber ein rundes mit Marmorsteinen ausgelegtes Taufbecken recht gut erhalten geblieben.

Die Klosteranlage Filerimos (Bild: Hombre, Wikimedia, CC)

Die Klosteranlage Filerimos (Bild: Hombre, Wikimedia, CC)

Die eigentliche Sehenswürdigkeit auf dem Berg Filerimos ist aber die wunderschöne Klosteranlage. Es scheint, dass der Ort die Leute schon immer spirituell einstimmte. Sogar seinen Namen hat er einem mittelalterlichen Mönch zu verdanken. Der Geistliche befand sich auf der Rückreise von Jerusalem und hatte dabei der Legende nach eine angeblich vom Evangelisten Lukas gemalte Ikone der Jungfrau Maria. Auf Rhodos angekommen beschloss aber der Mönch, dass seine geistige Reise hier ihr Ende haben sollte, und liess als Einsiedler nieder auf dem Berg Filerimos , was übersetzt heisst „der Freund der Einsamkeit“. Der gleiche Mönch baute auf dem Plateau eine Kapelle, die später zu einem Kloster mit Kirche ausgebaut wurde. Die Johanniter-Kirche wurde während der italienischen Besatzungszeit völlig restauriert. Auch das Kloster aus der Ritterzeit haben die italienischen Archäologen originalgetreu auf den Überresten der ursprünglichen Klosteranlage wieder aufgebaut. Bei der Planung der Besichtigung ist hier wieder Vorsicht geboten: Die Ausgrabungsstätte und die Klosteranlage sind an Montagen geschlossen und an restlichen Wochentagen nur von 9:30 Uhr bis 15 Uhr geöffnet.



Etwas abseits des Klosters versteckt sich die Höhlenkirche Agios Georgios Chostos. Der Beiname Chostos bedeutet „vergraben“ oder „versteckt“ und erweist sich als wirklich treffend, denn ohne Anweisung würde man nach einer im Hang gebauten Kirche nicht suchen. Wir sind sehr froh, dass wir nicht vorbeigelaufen sind. In der Kirche ist es nämlich angenehm kühl und ausserdem finden wir hier alte kunstreiche Fresken, die Szenen aus dem Leben Christi darstellen.

Der Pfau auf dem Berg Filerimos (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)

Der Pfau auf dem Berg Filerimos (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)

Auf dem ganzen Gelände spazieren die Pfauen, die ab und zu den Touristen freundlicherweise ihr Rad zeigen.

Das Kreuz auf dem Berg Filerimos (Bild: Magdalena Siudy, Wikimedia, CC)

Das Kreuz auf dem Berg Filerimos (Bild: Magdalena Siudy, Wikimedia, CC)

Vom Klostereingang führt eine schattige Pinienallee zum Kreuzgang. Dieser wurde auch während der italienischen Besatzung angelegt. Nach 14 Kreuzwegstationen kommt man zu einem 15 Meter hohen Betonkreuz. Die Schönheit der Konstruktion ist eher fraglich, die Höhe beeindruckt aber trotzdem. Im Inneren des Kreuzes führt eine endlose, schmale und steile Treppe nach oben – zu einer Aussichtsplattform. Wer also seine Platzangst überwunden hat, hat die Möglichkeit hier in Schwindel erregender Distanz zur Erdoberfläche auch die Höhenangst zu besiegen. Oben angekommen schliesse ich erst vorsichtshalber fest die Augen, klammere mich panisch an die Brüstung und denke dabei, dass man diesen Programmpunkt fast zu therapeutischen Zwecken empfehlen kann. Doch am Schluss überwiegt die Neugierde und ich mache die Augen auf: Für einen Augenblick kommt es mir vor, ich würde fliegen! Frei, unbeschwert, losgelöst von all dem Irdischen. Alle Ängste sind vergessen angesichts des atemberaubenden Panoramas: Überall das Meer, der Blick reicht bis zu der kleinasiatischen Küste, unten grünt und blüht die Insel, die Schleifen der Strassen ziehen in hübschen Windungen durch die Dorfer bis hin in die Rhodos-Stadt. Nach dem wirklich beängstigenden Aufstieg im dunklen Kreuzinneren wird man durch diese Aussicht wahrlich königlich belohnt. Gleich kommt mir das biblische Zitat in den Sinn: „Wer überwindet, wird dieses ererben…“



 

Oberstes Bild: Filerimos, Aussicht nach Norden (Bild: Hombre, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.




Trackbacks

  1. Die Insel Rhodos, Teil 4: Lindos und seine Akropolis, Esel und Schmuckläden › reiseziele.ch
  2. Die Insel Rhodos, Teil 3: Was Menschen und Land übereinander erzählen › reiseziele.ch
  3. Die Insel Rhodos, Teil 2: Rhodos-Stadt – zwischen Europa und Asien, zwischen Antike und Moderne › reiseziele.ch
  4. Die Insel Rhodos, Teil 1: Die Ankunft im Land der Legenden › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Die Insel Rhodos, Teil 5: Die Suche nach sich selbst auf dem Berg Filerimos

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.