Mehr als Wagner – Bayreuth

26.07.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Mehr als Wagner – Bayreuth
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Ende Juli/Anfang August ist für Freunde Wagner’scher Musik ein Höhepunkt im Jahr. Denn dann finden die jährlichen Richard Wagner-Festspiele in Bayreuth statt. Sie ziehen nicht nur Musikbegeisterte aus Europa und aller Welt an, auch zahlreiche Prominente lassen sich seit jeher bei dieser Gelegenheit gerne blicken.

Die Festspiele sind ein gesellschaftliches Event. Der Namen der Stadt im bayerischen Oberfranken steht daher fast synonym für Richard Wagner. Das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel ist mit grosser Sicherheit das international bekannteste Gebäude der Stadt.

Durch Barock und Rokoko geprägt

Es wäre aber ein Fehler, Bayreuth alleine auf Richard Wagner zu reduzieren. Auch ehe der berühmte Komponist im 19. Jahrhundert hier sein Festspielhaus errichtete, konnte die Stadt bereits auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken, die ihr ein bis heute wunderbar erhaltenes Stadtbild im Stil des Barock und Rokoko beschert hat.

Hohenzollern – die Markgrafen von Bayreuth

Obwohl Bayreuth bereits seit 1810 zu Bayern gehört, richtig bayerisch war man hier eigentlich nie. Bereits im 13. Jahrhundert wurden die Hohenzollern zu Herren der Stadt. Die späteren Markgrafen von Bayreuth bildeten eine Seitenlinie des Hauses Hohenzollern. Die Verwandtschaft regierte u.a. in Brandenburg, dem späteren Preussen. Die Reformation hielt hier früh Einzug – auch das ein Gegensatz zu dem überwiegend katholisch geprägten Bayern. Die Glanzzeit der Stadt begann mit der Verlegung der markgräflichen Residenz von der Plassenburg bei Kulmbach nach Bayreuth im Jahre 1603. Die Markgrafen statteten ihre neue Residenz im 17. und 18. Jahrhundert mit zahlreichen Repräsentativbauten im Stil der Zeit aus. Das Bayreuther Rokoko entwickelte dabei eine eigene Stilrichtung, die vor allem bei der Innenausstattung von Bauten Anwendung fand.

Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth (Bild: Benreis, Wikimedia, GNU)

Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth (Bild: Benreis, Wikimedia, GNU)

Ein bayerischer Strassenmarkt

Das historische Zentrum von Bayreuth gliedert sich in zwei Teile: die Innenstadt, die den mittelalterlichen Stadtkern umfasst und sich um die Maximilianstrasse – einen typisch bayerischen Strassenmarkt – gruppiert, und die darum liegenden Erweiterungen der Markgrafen-Zeit. Nach Zerstörungen im Dreissigjährigen Krieg und Stadtbränden ist von der mittelalterlichen Bausubstanz nicht mehr viel erhalten. Der Zweite Weltkrieg und die Zeit danach taten ein Übriges. Zu den eindrucksvollsten Bauten gehört die Stadtkirche, die sich im gotischen Erscheinungsbild zeigt. Ganz anders dagegen das markgräfliche Bayreuth. Es überstand die Zeitläufte weitgehend unversehrt.





Bayreuther Marktplatz mit Spitalkirche (Bild: Michael Sander, Wikimedia, GNU)

Bayreuther Marktplatz mit Spitalkirche (Bild: Michael Sander, Wikimedia, GNU)




Eremitage, Altes und Neues Schloss



Die grössten Schäden im Zweiten Weltkrieg erlebte das Alte Schloss mit der Schlosskirche Unserer Lieben Frau, das in den 1950er Jahren wieder aufgebaut wurde. Das Schloss liegt in einer Eremitage genannten Parkanlage am Stadtrand. Die Eremitage ist ein Meisterwerk des Rokoko. Neben dem Schlossbau sind eine Reihe weiterer Bauten auf dem Gelände verstreut, zum Beispiel eine Grotte, künstliche Ruinen und eine Orangerie mit Sonnentempel. Besonders repräsentativ zeigt sich auch das mehr im Zentrum gelegene Neue Schloss mit dem Hofgarten, ein Musterbeispiel des Bayreuther Rokoko. Ganz barock sind auch die Friedrichsstrasse und der Jean-Paul-Platz, die in ihrer einheitlichen Gestaltung auf die planmässige Anlage als Prachtmeile hinweisen.





Altes Schloss Bayreuth (Bild: Immanuel Giel, Wikimedia)

Altes Schloss Bayreuth (Bild: Immanuel Giel, Wikimedia)

Markgräfliche Oper und Festspielhaus



Ein besonderes Juwel bildet das Markgräfliche Opernhaus, eines der wenigen im Original erhaltenen Musiktheater aus dem 18. Jahrhundert. Der Bau gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es war das Opernhaus, das Richard Wagner 1870 nach Bayreuth zog, weil er daran dachte, hier seine Werke aufzuführen. Als sich die Örtlichkeiten als ungeeignet erwiesen, reifte der Plan für ein eigenes Festspielhaus. Er wurde schliesslich in die Tat umgesetzt. Der markante, für seine Zeit vergleichsweise schmucklose Bau aus rötlichem Ziegelstein ist neben der nahen Villa Wahnfried, dem Haus des Komponisten, heute die Pilgerstätte für Wagnerianer schlechthin und Hauptattraktion der Stadt. Doch auch ansonsten lohnt Bayreuth einen Besuch.

 

Oberstes Bild: Markgrafenbrunnen Bayreuth (© Bayreuth2009, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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